Attentatswelle
Anschlagsserie in Bagdad mit Toten und Verletzten
Im Stadtteil Dora im Süden von Bagdad sprengte sich den Angaben zufolge ein Selbstmordattentäter vor dem Institut für Technologie mit seinem Fahrzeug in die Luft. Die vier anderen Attentate richteten sich gegen den Justizpalast im östlichen Stadtteil Mansour, das Arbeitsministerium in der Palästina-Straße, eine Außenstelle des Innenministeriums in Al Nahda sowie den vorübergehenden Sitz des Finanzministeriums im Viertel Jorja.
"Was für ein Verbrechen haben wir begangen? Frauen und Kinder sind unter den Trümmern begraben. Warum haben sie (die irakischen Streitkräfte) diese Autobombe durchgelassen?" schrie Ahmed Jabbar beim Gang durch die Trümmer in der Nähe des neuen Finanzministeriums. Die Rettungskräfte versuchten auch mit Kränen, die Trümmer beiseite zu heben, um nach Überlebenden suchen zu können. Dutzende Fahrzeuge gerieten durch die Explosion in Brand.
Erinnerungen an das Blutbad im Oktober
Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Sie erinnerten jedoch im Ablauf an einen Doppelanschlag in Bagdad Ende Oktober mit mehr als 150 Toten, zu dem sich der irakische Arm des Terrornetzwerks Al Kaida bekannt hatte. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki sagte, die Anschläge trügen die Handschrift von Al Kaida und den Anhängern des gestürzten Machthabers Saddam Hussein. "Die Feinde des Irak wollen das Land ins Chaos stürzen und die Wahlen stören." Maliki und mehrere seiner Minister sowie die Chefs der Sicherheitskräfte wurden für Donnerstag zu einer Befragung über die Sicherheitslage ins Parlament bestellt.
Das Parlament in Bagdad hatte sich am Sonntag nach monatelangen Streitereien auf ein neues Wahlgesetz geeinigt und damit den Weg für die zweiten Parlamentswahlen seit dem Sturz Saddam Husseins im Jahr 2003 freigemacht. Der irakische Präsident Jalal Talabani und seine beiden Stellvertreter legten den Wahltermin am Dienstag auf den 6. März fest. Die Wahlkommission meldete keine Einwände gegen das Datum an. Der Leiter der Wahlkommission, Faraj al-Haidari, erklärte, das Gremium habe der Verschiebung zugestimmt, damit es genug Zeit zur Vorbereitung für die landesweite Abstimmung gebe.
Westerwelle über Anschläge bestürzt
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich bestürzt über die neuen Anschläge. "Ich verurteile diese menschenverachtenden Anschläge auf das Schärfste", erklärte er in Berlin. Auch die US-Regierung und NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilten die Gewalt. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich "sehr schockiert". Die "schrecklichen Bombenanschläge" seien "einfach inakzeptabel", sagte Ban vor Journalisten in New York.
Immer wieder führen blutige Anschläge die weiterhin angespannte Sicherheitslage im Irak vor Augen. Am 25. Oktober waren bei zwei nahezu zeitgleich verübten Bombenanschlägen auf das Justizministerium und den Sitz des Gouverneurs in Bagdad 153 Menschen getötet und mehr als 500 weitere verletzt worden. Im August waren bei einem blutigen Doppelanschlag im Regierungsviertel 95 Menschen ums Leben gekommen. Derzeit sind noch rund 115.000 US-Soldaten im Irak stationiert. Bis zum August 2010 sollen die Kampftruppen aus dem Zweistromland abziehen.
Die Nachrichtenagentur Al-Yaqen berichtete, in der nördlichen Stadt Kirkuk seien zwei Angehörige einer Bürgerwehr vergiftet worden. Sie seien am Dienstag gestorben, nachdem sie eine Speise gegessen hätten, die ihnen von Fremden gebracht worden sei.
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