Neue Gift-Spritze
Todeskandidat als Versuchskaninchen in Ohio
Eine missglückte Exektion brachte Ohio vor drei Monaten in die Schlagzeilen und führte zu einem Hinrichtungs-Moratorium und schließlich der Überarbeitung des Protokolls. Nach zwei Stunden menschenunwürdiger Qualen brachen Justizmitarbeiter damals den Versuch ab, den wegen Mordes verurteilten Romell Broom hinzurichten. Es war ihnen nicht gelungen, eine Vene für die Giftspritze zu finden. Broom verließ die Hinrichtungskammer mit zerstochenen Armen und geschwollenen Gliedern und kämpft seither gegen einen erneuten Versuch der Behörden.
Am Dienstag steht die nächste Hinrichtung in Ohio an, die von Kritikern als grausamer Menschenversuch hingestellt wird. Wenn die Justiz nicht noch im letzten Moment einen Aufschub gewährt, wird der Strafgefangene Kenneth Biros am Dienstag im Todestrakt des Gefängnisses von Lucasville seine letzten Stunden verbringen.
Tödliche Dosis Anästhesie-Mittels
Biros wird der erste Gefangene in den USA, der nur mit einer einzigen Giftsubstanz hingerichtet wird. Bisher war ein Cocktail aus drei Substanzen üblich: Die erste soll Schmerzen verhindern, die zweite soll die Körpermuskulatur lähmen, die dritte soll Herzstillstand herbeiführen. Kritiker führen an, dass der Todeskandidat bei dieser Methode möglicherweise große Qualen erleidet, diese aber wegen der herbeigeführten Lähmung nicht äußern kann. Problematisch war auch die intravenöse Verabreichung - wie im Fall Broom, wo das Personal auch nach 18 Versuchen keine Vene fand, sondern Broom sogar einen Injektionsnadel in den Knochen gejagt hatte.
Nach der gescheiterten Hinrichtung von Romell Broom ordnete die Justiz in Ohio eine Aussetzung der Hinrichtungen an, um neue Methoden prüfen zu lassen. Kenneth Biros soll jetzt der erste Gefangene werden, der nach den Maßgaben des neuen Protokolls getötet wird. Eine massive Dosis des Anästhesie-Mittels Thiopental soll bei ihm zum Tod führen. In der Theorie sei diese Methode "humaner", denn der Kandidat sterbe im Tiefschlaf. Sollte das Personal keine Vene finden, darf es ihm zwei Chemikalien in ins Muskelgewebe spritzen - ein Beruhigungsmittel und ein Schmerzmittel. Das neue Protokoll gewährt dem Personal drei Anläufe, um den Verurteilten zu Tode zu bringen.
"Das ist kein experimentelles Mittel"
Wegen der bisher unerprobten Methode sprechen die Anwälte von Biros von einem "Menschenexperiment" und appellierten an Ohios Gouverneur Ted Strickland, die Hinrichtung auszusetzen. "Das neue Protokoll setzt Mittel und Methoden ein, die niemals zuvor in den USA oder einem anderen zivilisierten Land eingesetzt wurden", heißt es in dem Antrag. Die Anwälte argumentieren, dass dies gegen das in der US-Verfassung verankerte Verbot von "grausamen und ungewöhnlichen" Strafen verstoße. Der Chef der Strafvollzugsbehörde in Ohios Hauptstadt Columbus, Terry Collins, wirft den Anwälten von Biros "Vernebelungstaktik" vor. Das zur Hinrichtung vorgesehene Mittel Thiopental sei schon allein dadurch ausreichend erprobt, dass es in Krankenhäusern als Anästhetikum eingesetzt wurde, sagt Collins, der 31 der 32 seit 1999 in Ohio vollstreckten Hinrichtungen beaufsichtigte. "Das ist kein experimentelles Mittel", sagt er.
Kenneth Biros hat 1991 eine 22-jährige Frau aus einer Bar in sein Auto gelockt, sie getötet und anschließend zersägt. Die Leichenteile verteilte an verschiedenen Orten in Ohio und Pennsylvania.
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