Betrug mit Medizin

32 Mio. gefälschte Tabletten in EU sichergestellt

Ausland
07.12.2009 16:29
In der EU sind immer mehr gefälschte Medikamente im Umlauf. Die Kriminellen spezialisieren sich dabei vor allem auf falsche Antibiotika, Krebs- und Malariamedikamente, cholesterinsenkende Präparate, Schmerzmittel und Viagra. Beamte haben bei gezielten Zollkontrollen in der Union in nur zwei Monaten 32 Millionen gefälschte Tabletten sichergestellt.

"Die Zahl der gefälschten Arzneimittel in Europa, die beim Patienten landen, steigt immer mehr. Die EU-Kommission ist darüber äußerst besorgt", sagte EU-Industriekommissar Günter Verheugen der deutschen Zeitung "Die Welt". Die Zahl der nun sichergestellten Fälschungen hätte "alle Befürchtungen übertroffen", so Verheugen.

Interpol-Operation gegen Fälschungen im Internet
Neben den EU-Zollfahndern hatte erst im November die Polizeiorganisation Interpol die Operation "Pangea II" gegen illegalen Medikamentenhandel im Internet durchgeführt. In 24 Ländern - auch in Österreich - entdeckten die Ermittler während der knapp einwöchigen Kontrollen 751 Webseiten mit illegalen Aktivitäten, 72 wurden geschlossen. 995 Medikamentenpäckchen wurden abgefangen und fast 167.000 illegale und gefälschte Tabletten beschlagnahmt. 22 Verdächtigen wurde unter anderem der Verkauf von nachgemachten oder verschreibungspflichtigen Arzneimitteln vorgeworfen.

"Medikamentenfälschungen sind Kapitalverbrechen"
Medikamentenfälschungen seien ein Kapitalverbrechen, das mit aller Härte bestraft werden müsse, sagte Verheugen der "Welt". "Jede Fälschung von Medikamenten ist ein versuchter Massenmord. Selbst wenn ein Medikament nur unwirksame Stoffe enthält, kann es dazu führen, dass Menschen daran sterben, weil sie glauben, ihre Krankheit mit einem wirksamen Mittel zu behandeln."

Die Europäische Kommission hatte bereits im Juli vor einer hohen Zahl gefälschter Medikamente gewarnt. Mit der neuerlichen Mahnung will Verheugen offensichtlich Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen um das Pharmapaket genannte Bündel aus mehreren EU-Richtlinien und Verordnungen bringen. Streitpunkt ist die Frage, ob und wie die Pharmaindustrie die Patienten beziehungsweise Kunden direkt informieren darf und ob das womöglich das Werbeverbot ins Wanken bringen könnte. Der europäische Verbraucher-Dachverband BEUC hat das Vorhaben jedenfalls als "versteckte Werbung" gebrandmarkt. 

Im EU-Ministerrat liegen die Verhandlungen derzeit gänzlich auf Eis. Der SPD-Politiker Verheugen scheidet demnächst aus der Kommission aus, das Pharmapaket war eines seiner wichtigsten Dossiers. In der neuen EU-Kommission, die Anfang Februar antritt, übernimmt das Ressort der Italiener Antonio Tajani (bisher Verkehr).

Pharmapaket soll 2010 kommen
Verheugen zeigte sich trotzdem zuversichtlich, dass EU-Kommission, Europaparlament und die europäischen Gesundheitsminister 2010 das Pharmapaket aushandeln können. Ziel sei, dass der Weg einer Arznei von der Herstellung bis zum Verkauf zurückverfolgt werden könne, mittels Sicherheitszeichen wie etwa Barcodes auf den Verpackungen.

Auch im Europaparlament ist das Thema umstritten. Die Konservativen haben eine Lockerung des Werbeverbots für verschreibungspflichtige Medikamente als "nicht sinnvoll" bezeichnet, da sie zur vermehrten Verschreibung von teuren und nebenwirkungsreichen Medikamenten führen könnte. Dieses sei nur denkbar für sachgerechte und unabhängige Informationen, die der Patient von sich aus nachfragt, etwa die Veröffentlichung von Beipackzetteln im Internet in verständlicher Übersetzung.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
07.12.2009 16:29
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung