Jugendkrawalle
Tag der Gewalt auf Athens Straßen – 300 Festnahmen
In der Nacht zum Montag hat sich die Lage in Athen und anderen Städten wieder entspannt. Autonome und Vermummte zogen sich in zwei Gebäude der Universität im Zentrum Athens zurück. Nur bei der Technischen Universität kam es bis spät in der Nacht zu kleineren Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Im Großraum Athen waren am Sonntag mehr als 6.000 Polizisten im Einsatz. Berichten zufolge waren zu den Protesten auch zahlreiche linke und anarchistische Demonstranten aus dem Ausland angereist. Randalierer warfen im Stadtzentrum von Athen Fensterscheiben von Banken ein, rissen Müllcontainer um und zündeten sie an und bewarfen Polizisten mit Steinen. Polizisten auf Motorrädern jagten Gewalttäter. Diese wiederum versuchten die Beamten von ihren Motorrädern zu stoßen. Ein Polizist verlor dabei die Kontrolle über seine Maschine und fuhr eine Passantin an, die danach verletzt in ein Krankenhaus transportiert wurde.
Anarchistisches Banner auf Uni gehisst
Krawalle auch in Thessaloniki
Auch in Thessaloniki gab es Krawalle. Jugendliche schleuderten Molotow-Cocktails gegen Beamte und schlugen die Scheibe eines Cafes ein. Laut Polizei wurden dort etwa 80 Demonstranten wegen Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen. In Athen wurden den Angaben zufolge mehr als 130 Personen in Polizeigewahrsam genommen.
Razzia in Brandbomben-Werkstatt
Bereits am Samstagabend gab es im Athener Stadtteil Keratsini eine Razzia in einem Haus, das laut Polizei als Werkstatt für Brandbomben genutzt wurde. Die Beamten wurden nach eigenen Angaben von rund 60 Jugendlichen mit Steinen angegriffen, drei Einsatzfahrzeuge wurden zerstört. In dem von mutmaßlichen Linksextremisten als Lager genutzten Haus wurden den Angaben zufolge Gasmasken, Vorschlaghammer und 200 leere Bierflaschen beschlagnahmt, die als Brandbomben eingesetzt werden sollten. Anschließend verschanzten sich die Randalierer mehrere Stunden lang im Rathaus, 41 Menschen wurden festgenommen.
Proteste aufs Ausland übergeschwappt
Die Proteste zum Jahrestag des Todes von Alexandros Grigoropoulos schwappten offenbar auch ins Ausland über. Am Samstag wurde ein Angriff auf eine Hamburger Polizeistation verübt, der einem Bekennerschreiben der Gruppe "Koukoulofori" ("Kapuzenträger", "Vermummte") zufolge ein Racheakt für den Tod des 15-Jährigen gewesen sein soll. Die Hamburger Polizeistation 16 sei für "Misshandlungen und rassistischen Terror" bekannt, hieß es in dem der "Hamburger Morgenpost" geschickten Bekennerschreiben weiter. Die Polizeistation war von zehn Linksautonomen angegriffen worden, die auch zwei Streifenwagen anzündeten.
Präsident Karolos Papoulias hatte die Bevölkerung angesichts des Jahrestags zur Ruhe aufgerufen. Der Tod des 15-Jährigen hatte zu zwei Wochen andauernden Ausschreitungen in Athen und anderen griechischen Städten geführt. Zwei Polizisten müssen sich wegen Mordes beziehungsweise versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Der Prozess soll am 20. Jänner beginnen.
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