Rede vor Soldaten

Obama setzt auf Militäroffensive in Afghanistan

Ausland
02.12.2009 08:54
Nach acht Jahren Afghanistan-Krieg setzt Barack Obama jetzt auf eine massive Militäroffensive. Um den erstarkten Taliban entgegenzutreten, schickt der US-Präsident 30.000 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch. Dies sei "im grundlegenden Interesse" der USA, sagte Obama bei seiner mit Spannung erwarteten Rede in der Militärakademie West Point am Dienstagabend.

Die Truppen sollen bereits Anfang 2010 entsandt werden, die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan erhöht sich damit auf rund 100.000.

Gleichzeitig stellte Obama in seiner Rede auch ein baldiges Ende des Kriegs in Aussicht. Bereits im Sommer 2011 soll der Rückzug der US-Truppen beginnen. Die Entsendung der zusätzlichen Streitkräfte wird die Armee Obama zufolge rund 30 Milliarden Dollar (19,9 Milliarden Euro) kosten. Der US-Präsident warb mit der Ansprache im US-Staat New York um Zustimmung bei seinen Mitbürgern, die den Afghanistan-Einsatz zunehmend kritisch sehen. Obama stellte klar, dass er den Krieg zu einem "erfolgreichen Ende" bringen will.

Das Original-Video von Obamas Rede findest du ebenso wie schriftliche Auszüge in der Infobox!

"Sicherheit der Welt steht auf dem Spiel"
Zugleich erwartet der US-Präsident weitere NATO-Truppen für Afghanistan. "Jetzt müssen wir zusammenstehen, um diesen Krieg erfolgreich zu beenden. Auf dem Spiel steht nicht einfach nur die Glaubwürdigkeit der NATO - was auf dem Spiel steht, ist die Sicherheit unserer Alliierten und die kollektive Sicherheit der Welt."

Gleichzeitig unterstrich er die noch immer prekäre Sicherheitslage am Hindukusch und die mangelnden Fortschritte. "Afghanistan ist nicht verloren, aber es hat sich seit einigen Jahren zurückbewegt." Die Regierung in Kabul sei nicht von einem Umsturz bedroht, doch seien die Taliban stärker geworden. Das Terrornetz Al Kaida habe Unterschlupf an der Grenze zu Pakistan gefunden. "Die gegenwärtige Lage kann nicht beibehalten werden", betonte Obama.

"Epizentrum des Extremismus"
Die Lage in Afghanistan habe nicht nur Auswirkungen auf die unmittelbare Region. "Wenn ich nicht denken würde, dass die Sicherheit der Vereinigten Staaten und des amerikanischen Volkes auf dem Spiel stünde, würde ich frohen Mutes jeden einzelnen Soldaten schon morgen nach Hause befehlen." Er habe seine Entscheidung nicht leichten Herzens getroffen. Aber die Sicherheit der USA sei in Afghanistan und in Pakistan Gefahren ausgesetzt. "Dies ist das Epizentrum des gewalttätigen Extremismus, wie ihn Al Kaida praktiziert."

Obama rief die afghanische Regierung zu größeren Anstrengungen beim Aufbau des Landes und im Kampf gegen die Korruption auf. Kabul müsse eine verbesserte Sicherheitslage auch nutzen, forderte der Präsident. "Die Zeiten, in denen es Blankoschecks gab, sind vorbei", sagte er, offenbar in Anspielung auf die Debatten um die manipulierte Wiederwahl des vom Westen unterstützten afghanischen Präsidenten Hamid Karzai. Korrupte und ineffektive Beamte in Kabul müssten zur Verantwortung gezogen werden. "Wir werden sehr klar machen, was wir von denen erwarten, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen."

NATO schickt 5.000 Soldaten nach Afghanistan
Die Verbündeten der USA in der NATO werden nach Angaben von Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen mindestens 5.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schicken. Nach der Ankündigung von Obama, die US-Truppen um 30.000 Soldaten zu verstärken, erklärte Rasmussen in der Nacht auf Mittwoch in Brüssel, er erwarte von den 43 Staaten unter NATO-Kommando mindestens 5.000 zusätzliche Soldaten. Möglicherweise würden es sogar einige Tausend mehr. Der Afghanistan-Einsatz sei nicht allein ein US-Einsatz, betonte Rasmussen.

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