24.04.2004 15:55 |

Erbgut entschlüsselt

Forscher wollen "Super-Kaffee" züchten

Brasilianische Wissenschaftler haben das Erbgut des Kaffees entziffert. Eine Datenbank mit rund 200.000 DNA- Abschnitten soll neue Erkenntnisse und verbesserte Varianten des Kaffeestrauchs Coffea arabica bringen und so die Stellung des größten Kaffeeproduzenten der Welt festigen, wie ein Sprecher des Brasilianischen Verbandes zur Kaffeeforschung und -entwicklung (CBPDC) berichtete.
Brasilien sei mit diesem Erfolg im Rennen umproduktivere Kaffeesorten deutlich in Führung gegangen. StaatspräsidentLuiz Inácio Luloa da Silva will die Entzifferung des Kaffee-Erbgutsin den nächsten Wochen feierlich in Brasilia bekannt geben.
 
Kommt bald "Super-Kaffee"?
Die Forscher wollen die Pflanze nach eigenen Angabenproduktiver und resistenter gegen Schädlinge machen und strebenunter anderem ein nahrhafteres Getränk mit verschiedenenGeschmacksrichtungen an. Entziffert wurde das Kaffee-Erbgut vonder Forschungsstiftung Fapesp im Bundesland Sao Paulo gemeinsammit dem staatlichen Agrarforschungsunternehmen Embrapa und mitfinanzieller Unterstützung des CBPDC.
 
Bedeutend für Landwirtschaft
"Das ist schon fast Routinearbeit", betonte der wissenschaftlicheLeiter von Fapesp, José Fernando Pérez. Wichtigsei, dass für die Landwirtschaft bedeutende Pflanzenartensequenziert würden. "Wir haben das bereits mit Zuckerrohrund Eukalyptus gemacht und nun war der Kaffee dran."
 
Millionen für Kaffee-Forschung
Die Kaffeeforschungsarbeiten kosteten den Angabenzufolge bislang knapp sechs Millionen Real, rund zwei MillionenEuro. Experten schätzen, dass der finanzielle Nutzen weithöher liegen wird. Durch gezielte genetische Veränderungender Kaffeepflanzen auf Basis der neuen Erkenntnisse lasse sichdank Produktivitätsgewinn und niedrigerer Ausgaben fürSchädlingsbekämpfungsmittel mindestens eine MilliardeReal im Jahr einsparen.
 
Arbeit dauert noch Jahre
Nach der Entzifferung des Kaffeegenoms kommt aufdie brasilianischen Wissenschaftler laut Pérez nun allerdingsdie schwierigste Arbeit zu. Die Gene müssen zunächstidentifiziert und dann mit denen anderer Organismen verglichenwerden, um schließlich ihre Funktion herauszufinden. DieseArbeit könne viele Jahre dauern.
 
Brasilien hat einen Anteil von rund einem Drittelam weltweiten Kaffeeanbau. Die Bohne ist für zwei Prozentder Exporte und sieben Millionen Arbeitsplätzen in dem südamerikanischenLand verantwortlich. Die untersuchte Sorte Coffea arabica macht80 Prozent der brasilianischen Produktion aus.
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