Der Fall von Keuchhusten in einem Welser Kindergarten hat die Debatte um die Impfpflicht neu aufflammen lassen. Vier Kinder waren gegen die ansteckende Krankheit nicht geschützt. Weil die Impfmüdigkeit steigt, fordert Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander eine Impfpflicht. Vorerst nur für Masern.
„Eine Gesellschaft kann nicht einfach hinnehmen, dass Kinder schwere Krankheiten durchleiden, die man leicht verhindern könnte“, platzte Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander von der ÖVP nun der Kragen. In Wels musste ein Kindergarten für 14 Tage gesperrt werden, weil vier nicht immunisierte Kinder an Keuchhusten erkrankt waren.
95 Masernfälle im Vorjahr
Auch deshalb ist für Haberlander die Impfpflicht unumgänglich. Oberste Priorität hat dabei zunächst der Schutz vor Masern. Denn einerseits handelt es sich um eine äußert tückische Kinderkrankheit, die hoch ansteckend ist. Sie geht mit gefährlichen Komplikationen einher. Nach einer Erkrankung ist das Immunsystem über Jahre geschwächt. Anderseits sind die Masern wieder im Vormarsch. 2017 gab es in Österreich 95 Fälle (acht in Oberösterreich). In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden bereits 59 Erkrankungen, davon drei in Oberösterreich, registriert.
Deutlich weniger Impfungen
Die Durchimpfungsrate ist hingegen stark rückgängig. Nur noch 80 Prozent der Kinder sind geimpft. Vor zehn Jahren lag die Quote bei fast 90 Prozent. Haberlander sieht sich in ihrer Forderung auch durch den aktuellen Vorstoß der Volksanwaltschaft für eine verpflichtende Masern-Impfung bestärkt. Die aktuelle Überarbeitung des Mutter-Kind-Passes biete eine gute Möglichkeit, die Impfpflicht einzuführen. „Derzeit werden die empfohlenen Impfungen dokumentiert. Sie sind aber nicht wie andere Untersuchungen verpflichtend und damit nicht an den Erhalt des vollen Kinderbetreuungsgeldes geknüpft“, so Haberlander.
Mario Zeko, Kronen Zeitung
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