Di, 11. Dezember 2018

Geschichte aus OÖ:

23.06.2018 06:00

Von der großen Zeit der Linzer „Tschickbude“

Mit und ohne Filter - 159 Jahre lang wurden in der Tabakfabrik an der Unteren Donaulände von 1850 bis 2009 erst Zigarren und Kautabak und später Zigaretten produziert. Eine harte, meist weibliche Arbeit!

30 so genannte „Zigarrenpuppenmacherinnen“ und 40 Zigarrenspinnerinnen begannen am 26. 6. 1850 in der stillgelegten Wollzeugfabrik mit der Produktion von Pfeifen- und Kautabak sowie Zigarren. Eine Notstandsmaßnahme, um das aufgelassene Gebäude der in Konkurs gegangenen Wollzeugfabrik zu nutzen und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

1923 werden 560 Beschäftigte arbeitslos
Tabakarbeiterin - eine harte Arbeit. Erst 1910 wurde die 51-Stunden-Woche mit einem freien Samstagnachmittag eingeführt. Für 30 Säuglinge von alleinstehenden Arbeiterinnen wurde eine Stillstube eingerichtet - vor 100 Jahren eine gefeierte soziale Errungenschaft. Doch 1923 die schlimme Hiobsbotschaft: Krisenbedingte Einstellung der Zigarrenproduktion, 560 Beschäftigte werden arbeitslos!

Tabakarbeiterinnen
Doch 1928 entschließt sich die Österreichische Tabakregie zu einem Fabriksneubau in Linz. Die renommierten Architekten Peter Behrens und Alexander Popp schufen den auch heute noch markanten Industriebau, der in den Dreißigerjahren als Stahlskelettbau in Form eines geschwungenen Schiffskörpers internationale Aufmerksamkeit erregte und bei der Eröffnung am 12. November 1935 bewundert und gefeiert wurde.

35 Milliarden Zigaretten
Die Produktion florierte. 1998 wird im Dreischicht-Betrieb gearbeitet. Rund 35 Milliarden Zigaretten werden in der Blütezeit unter dem legendären Generaldirektor und Fußball-Präsidenten Beppo Mauhart im Linzer Werk produziert.

Kein Schuss ins Knie
Doch im Zuge der Privatisierung verkauft der Staat seine Austria Tabak 2001 um 10,6 Milliarden € an den britischen Gallaher-Konzern, der sie wiederum 2007 an Japan Tobacco International weiterverscherbelt. „Wenn hier nach dem Verkauf nicht Milch und Honig fließen, dann schieß’ ich mir ins Knie“, hatte damals Finanzminister Karl-Heinz Grasser großspurig getönt.
Im Juni 2009 dann ein Blitz aus heiterem Himmel: Bei einer Betriebsversammlung wird die Schließung der Tabakfabrik Linz per Jahresende bekannt gegeben. 284 Mitarbeiter verloren ihren Job - Grasser schoss sich dennoch nicht ins Knie.

„Fabrik der rauchenden Köpfe“...
„Wo früher die Zigaretten rauchten, rauchen hier heute die Köpfe“, philosophiert Chris Müller, Direktor für Entwicklung und Gestaltung und künstlerischer Leiter der Tabakfabrik Linz. Der dem stillgelegten Industriebau, den die Stadt Linz 2009 für 17 Millionen Euro erwarb, mit seinen Visionen seit 2012 neues Leben einhauchte. In der heutigen „Fabrik der kreativen Köpfe“ sind mittlerweile 150 Firmen mit knapp 1000 Beschäftigten angesiedelt - 2023 nach Abschluss aller Umbauarbeiten sollen es sogar rund 3000 sein!

Durchbruch zur Holzstraße
„Die Tabakfabrik ist Hörsaal und Bühne für die Stadt - und die Kreativität ist der am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig der Welt“, schwärmt Müller. Das „Tschickbude“-Areal, flächenmäßig so groß wie der Hauptplatz, bekommt attraktive neue Züge. Die Lösehalle wird für Veranstaltungen und Messen adaptiert, der Platz neben der Biofilteranlage wird bis Jahresende zum grünen „Urban Canyon“, nach dem Durchbruch zur Holzstraße rückt die Tabakfabrik näher an das Hafenviertel heran - und Chris Müller kommt seinem Traum von der „Seidenstraße“ - einer Bahnverbindung zur chinesischen Partnerstadt Chengdu - ein Stückchen näher.

Geplanter NeuBau3 für 2023
2023 soll der bereits geplante „NeuBau3“ stehen - ein zeitgenössischer „Leuchtturm“ mit neuen Büros, Hotel, Restaurant und 600 Garagen-Stellplätzen - den der Tiroler Investor Bodner Bau mit 110 Millionen Euro hochzieht.

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