Trotz der versprochenen Gesetzesreparatur durch die Regierung wird der Protest gegen die Arbeitszeitflexibilisierung härter: Am Freitag starteten in ganz Österreich Betriebsversammlungen. Pikantes Detail: Sogar der schwarze AK-Präsident aus Vorarlberg Hubert Hämmerle kritisiert die 12-Stunden-Pläne scharf.
AK-Chef Hämmerle bezeichnet das Ablehnungsrecht als Farce. Wann tatsächlich eine Ablehnung möglich sein wird, sei ihm schleierhaft, so der ÖAAB-Funktionär. Die Details sind für ihn nicht klar definiert. Gegen einen legalen gesetzlichen Rahmen vorzugehen, traue sich niemand, so die Erfahrung in den Arbeiterkammern.
Die Kritiker vermissen im derzeitigen Entwurf auch, dass Arbeitnehmern im Gegenzug ein Recht auf längere Freizeitblöcke eingeräumt wird. Hämmerle: „Die Arbeitnehmerrechte werden beschnitten, es wird massiv in die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eingegriffen.“
12-Stunden-Dienste zu Weihnachten und Ostern
Am Freitag trafen in ganz Österreich Betriebsräte zu ersten Versammlungen zusammen. Angekündigte Nachschärfungen im Gesetz sind ihnen zu wenig. Hunderte Teilnehmer taten im Salzburger Brunauerzentrum ihren Frust kund. Es geht um Auswirkungen auf die Familie, aber auch auf Ehrenamt und Vereinswesen.
„Im Handel wird man die Mitarbeiter gerade zu Stoßzeiten wie Weihnachten oder Ostern zu 12-Stunden-Diensten einteilen. Diese Überstunden müssen dann abgebaut werden, wenn es den Firmen passt“, befürchtet Sonja Spitaler, Betriebsrätin in einem großen Handelskonzern. Auch die Gesundheit der Arbeitnehmer werde massiv darunter leiden.
„Zustimmung nur, wenn auch Arbeitnehmer etwas bekommen“
Der Direktor der AK Wien, Christoph Klein, kündigt ebenso weiteren Protest an: „Von unserer Seite gibt es nur Zustimmung, wenn auch die Arbeitnehmer etwas bekommen - jetzt ist es ein Gesetz nur für Arbeitgeber.“ Er fordert mehr Selbstbestimmtheit und mehr Planungssicherheit.
Im Nationalrat ist schon für Freitag nächster Woche eine Sondersitzung zum Thema Arbeitszeitflexibilisierung geplant.
Kronen Zeitung
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