Fr, 21. September 2018

Flexibilitäts-Gesetz

15.06.2018 14:45

Muss ich jetzt zwölf Stunden am Tag arbeiten?

Die einen sprechen von „Verrat“, „Anschlag“ und riesiger „Sauerei“, die anderen von einem „Freudentag“ für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Österreich. Wer hat recht, was steckt wirklich hinter dem Gesetz zur neuen Arbeitszeitflexibilisierung? Die „Krone“ hat wichtige Fragen und Antworten.

Muss ich jetzt zwölf Stunden am Tag arbeiten?
Bei der Anhebung der täglichen bzw. wöchentlichen Höchstgrenze der Arbeitszeit auf zwölf Stunden bzw. auf 60 Stunden sind Einschränkungen geplant. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können Überstunden ablehnen, wenn durch diese die Tagesarbeitszeit von zehn Stunden oder die Wochenarbeitszeit von 50 Stunden überschritten wird. Für die 11. und 12. Stunde gibt es bei überwiegenden persönlichen Interessen - etwa Kinderbetreuungspflichten - ein Ablehnungsrecht.

Wörtlich heißt es im Gesetz: „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfen deswegen nicht benachteiligt werden, insbesondere hinsichtlich des Entgelts, der Aufstiegsmöglichkeiten und der Versetzung.“ Wie Arbeitgeber in der Praxis reagieren, wenn z. B. ein Arbeitnehmer dreimal hintereinander ablehnt, ist unklar. Wiens AK-Präsidentin Renate Anderl: „Das Ablehnungsrecht ist blanker Hohn. Wer die 11. und 12. Überstunde ablehnt, riskiert eine Fristlose.“ Arbeitnehmer müssten beweisen, dass ihre Interessen schwerer wiegen als betriebliche.

Muss ich nun auch an Wochenenden schuften?
Maximal vier Ausnahmemöglichkeiten von der Wochenend- und Feiertagsruhe soll es pro Jahr geben. Jedoch ist nicht erlaubt, an vier aufeinanderfolgenden Wochenenden zu arbeiten - Stichwort Adventzeit.

Wird meine durchschnittliche Wochenarbeitszeit mit diesem Gesetz erhöht?
Sie darf laut Gesetzesvorlage (bei einem Durchrechnungszeitraum von 17 Wochen) wie bisher 48 Stunden nicht überschreiten.

Fallen die Zuschläge für Überstunden?
Laut Gesetz bleiben alle Überstundenzuschläge aufrecht. Nicht übertragbare Gleitstunden werden am Ende der Gleitzeitperiode wie bisher mit Zuschlag - je nach Vereinbarung mit Zeit oder Geld - vergütet.

AK-Präsidentin Anderl betont, dass 89 Prozent der Arbeitnehmer den Zwölf-Stunden-Tag nicht wollen. Die Regierung will das Gesetz Anfang Juli beschließen.

Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.