Fr, 14. Dezember 2018

Katias Kolumne

13.06.2018 11:55

Achtung: Nicht jede Kritik an Frauen ist Sexismus

Das Personalwirrwarr rund um die Liste Pilz hat mit dieser Woche ein vorläufiges Ende genommen. Nach der „Wünsch Dir was“-Forderungsliste von Martha Bißmann, den anschließenden internen Lagerstreitigkeiten und dem folgenden Rücktritt von Klubobmann und Mandatar Peter Kolba wurden Peter Pilz am Montag im Parlament als Abgeordneter angelobt und die bisherige Frauensprecherin der Liste, Maria Stern, als Dank für ihren Mandatsverzicht zur Chefin der zerrütteten Kleinstpartei designiert.

Ihr Platzmachen für Pilz wertet Stern selbst als einen „zutiefst feministischen Akt“. Denn sie habe „keine Sekunde“ gezögert, den „gordischen Knoten“ zu durchschlagen, sie habe das „große Ganze“ gesehen, gehandelt und ein Machtwort gesprochen. Denn - für den Fall, dass Sie es noch nicht gewusst haben - ja, „Frauen können auch strategisch“ und „auch in die Zukunft“ denken. Aussagen, die die Qualität von Frank Stronachs unvergessenem „Frauen sind Menschen wie wir“-Sager haben und beim Lesen auf vielerlei Weise Schmerzen bereiten. Grund genug, um über Feminismus zu sprechen.

Es geht um die moralische Legitimation, nicht um Frauenrechte
Das Tamtam rund um die Personal- und Gehaltsfragen innerhalb der kleinsten Parlamentspartei ist Vieles, aber mit Sicherheit nichts, absolut nichts Feministisches. Nicht zu zögern, das große Ganze zu sehen und strategisches Denken als feministische Meilensteine verkaufen zu wollen, ist nicht nur falsch, sondern auch grob fahrlässig. Es gibt den Feminismus und seine wichtigen Anliegen einer Lächerlichkeit preis, die Maria Stern selbst und letztendlich allen Frauen schadet.

Um die politische, ökonomische und soziale Gleichstellung von Mann und Frau scheint es aber ohnehin nicht zu gehen. Vielmehr soll der Feminismus dem eigenen, hinterfragenswürdigen Handeln den Anstrich des Guten, Höherbestimmten und Starken geben und moralisch legitimieren. Ein effizientes Totschlagsargument, immerhin möchte keiner durch seinen Widerspruch als Antifeminist und Frauenfeind gelten.

Kollektiv versus Eigeninteresse
Dabei muss aber ganz klar widersprochen werden: Den Mandatsverzicht von Stern zugunsten von Pilz, nachdem dieser aufgrund von Vorwürfen der sexuellen Belästigung im Herbst zurückgetreten war, als „zutiefst feministischen Akt“ zu deklarieren, ist gleichermaßen sinnentleert wie inflationär und ein Hohn jenen gegenüber, die sich tatsächlich für Frauenrechte stark machen.

Der Feminismus kämpft für ein Kollektiv, Maria Stern für sich selbst, für ihr berufliches Fortkommen, möglicherweise auch für ihre eigenen finanziellen und machtpolitischen Interessen, was per se nichts Verwerfliches, sondern möglicherweise etwas durchaus Nachvollziehbares ist. Nur stößt der Versuch, persönliche Interessen auch noch mit aller Gewalt moralisch veredeln zu wollen, zu Recht sauer auf.

Die Conclusio ist: Nicht jede Kritik an einer Frau ist Sexismus. Nicht jede Handlung einer Frau ist Feminismus. Und wenn Feminismus bedeutet, machtversessen-ideologiefrei Wähler zum Narren zu halten, möchte ich lieber keine Feministin sein.

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