Fr, 14. Dezember 2018

Katias Kolumne

09.05.2018 11:55

Frischer Wind würde auch anderen Parteien guttun

Mit diesem Paukenschlag hatte am Montagvormittag wohl wirklich keiner gerechnet: Matthias Strolz, Mitbegründer und energiegeladenes Aushängeschild der liberalen NEOS, zieht sich nach sieben erfolgreichen Jahren komplett aus der Politik zurück. Ungewohnt krawattiert und gewohnt wortreich erklärte er, kein „Sesselkleber“ sein zu wollen - für ihn sei die Aufbauphase der pinken Partei abgeschlossen, nun brauche es eine „neue Form von Führungsenergie“ für die nächste Phase. Und dafür sei nun die Zeit gekommen.

Ein Rücktrittsgrund, den ihm keiner so recht glauben will: Analysten und Kommentatoren spekulieren über gesundheitliche oder familiäre Probleme, Überforderung oder ein Ausgebrannt-Sein vom mitunter beschwerlichen Polit-Alltag, andere wiederum sind sich sicher, dass ein lukrativeres Angebot aus der Privatwirtschaft ausschlaggebend für diese plötzliche Entscheidung war. Manche sehen Strolz - nicht ohne Augenzwinkern - bereits als „Flügelheber“ beim Glücksspielkonzern Novomatic. „Irgendetwas stimmt da nicht“, die Erklärung sei kein überzeugender Rücktrittsgrund, lautet der mehrheitliche Tenor.

Republik der Sesselkleber
„In Österreich ist es gelernt, dass man die Politik erst verlässt, wenn man hin ist von den Belastungen oder wenn man den Sessel vor die Tür gestellt bekommt“, erklärt Matthias Strolz und hat dabei nicht ganz Unrecht: Tatsächlich sind Rücktritte ohne Not in der heimischen Politik eher etwas Ungewöhnliches und somit etwas grundsätzlich Verdächtiges.

Video: Strolz erklärt seinen Rücktritt

Vielmehr sind Skandale wie bei Udo Landbauer und Peter Pilz oder Misserfolge - man denke an die Grüne Ulrike Lunacek - Ursache dafür, wenn ein Politiker den Hut nimmt und seine doch auch gut bezahlten Ämter zurücklegt. Auch persönliche oder frustbedingte Gründe à la Eva Glawischnig oder Reinhold Mitterlehner erklären einen Rücktritt. Dass ein Politiker geht, um frischen Wind in der Partei zuzulassen und um anderen Platz zu machen, kam in der jüngeren Vergangenheit jedenfalls nicht vor - deswegen wohl auch die Skepsis rund um die Erklärung von Strolz.

Mut zur Erneuerung hat noch keiner Partei geschadet
Viel weiter verbreitet ist hierzulande die (Un-)Kultur des Sesselklebens. Gibt es keine stichhaltigen gesundheitlichen oder familiären Gründe für einen Rückzug, gilt: Gegangen wird in der Regel erst dann, wenn es sich nicht durch hartnäckiges Aussitzen vermeiden lässt. Und auch dann müssen viele erst zur Tür hinausgeschoben werden. So soll es einerseits Politiker gegeben haben, die trotz glasklarer Ankündigung dann doch nicht abgetreten sind, und andere, die bei ihrem Rücktritt bereits den Rücktritt vom Rücktritt angekündigt haben.

So überraschend der Abschied von Matthias Strolz aus der Politik für viele auch sein mag: Sollte die Begründung für seinen Rückzug tatsächlich sein, ein internes Durchlüften zuzulassen, um die Liberalen (mit wohl Beate Meinl-Reisinger an der Spitze) weiterzuentwickeln, sollte dieser Weg vielleicht auch anderen Polit-Kollegen als Inspiration dienen. Der einen oder anderen Partei würde personeller frischer Wind vielleicht auch nicht schaden.

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