Mi, 19. September 2018

TV-Schocker

08.05.2018 11:37

„Vater Beimer“ stirbt den Serientod

1985 ist die Welt noch in Ordnung in der „Lindenstraße“: In der ersten Folge ist Hans Beimer mit Helga Beimer verheiratet. Bald schon werden sie nur noch „Mutter“ Beimer und „Vater“ Beimer genannt, was viel über den Stellenwert des Paares aussagt. Als sich die beiden trennen, war das für viele ein Schock. Nun folgt der nächste: „Vater Beimer“ steigt aus, denn Joachim H. Luger verlässt die Serie.

Der Schritt des 74-jährigen Schauspielers erfolgt auf eigenen Wunsch, wie der WDR am Montag mitteilt. Er soll das klassische Ende großer Serien-Figuren bekommen: den Serientod. Wie genau Hans aus dem Leben scheidet, ist noch ein Geheimnis. Fest steht aber, dass es am 2. September so weit sein wird. Titel der Folge: „Die Ruhe nach dem Sturm“.

„Im Oktober werde ich 75 Jahre alt, und da möchte ich noch einmal Neues wagen“, erklärt Luger das Ende. „Einfach freier in meinen Möglichkeiten und Entscheidungen sein, mehr Theater spielen oder vielleicht auch in andere Rollenfiguren schlüpfen. Und ich möchte gern mehr Zeit für meine Frau, meine Kinder und Enkelkinder haben.“ Außerdem wolle er sich mehr seiner Segel-Leidenschaft widmen.

Reihe spektakulärer Entwicklungen
In der „Lindenstraße“ gab und gibt es natürlich wie in jeder Seifenoper eine nie endende Reihe spektakulärer Entwicklungen von Ehebruch bis zum Auftauchen verschollener Verwandter. Zum Markenzeichen gehört es, gesellschaftlich relevante Themen anzupacken. Der legendäre Schwulenkuss zwischen Carsten Flöter und Robert Engel zum Beispiel war ein Meilenstein im deutschen Fernsehen, und die „Lindenstraße“ war auch die erste TV-Serie, die Aids thematisierte.

Der Tod von Hans ist dennoch etwas Besonderes. Luger war seit der ersten Folge dabei, seit mehr als drei Jahrzehnten. Und wenn man nach einem Fixpunkt in der an Figuren reichen „Lindenstraße“ suchte, dann waren es immer irgendwie die Beimers. Auch weil sie immer ein bisschen so waren, wie sich die Bundesrepublik selbst sieht. Produzent Hans W. Geißendörfer (77) beschreibt es so: „Ein Paar, wie ich es mir erträumt hatte: zwar ein bisschen spießig, aber zugleich auch weltoffen; konservativ, aber auch wieder modern.“ Als Luger vor ihm gestanden habe, habe er sofort gedacht: „Helga Beimer hat ihren Hans!“ Der Schauspieler habe die Figur stets ernst genommen: „Er hat sie akzeptiert wie sein zweites Ich.“

Zwei Ehen, viele Kinder
Hans Beimer hat mittlerweile eine bewegte Geschichte hinter sich: nicht nur die Scheidung von der ewig Spiegeleier bratenden Helga (Marie-Luise Marjan), vor allem hat er viele Kinder. Aus erster Ehe sind es drei, zusammen mit seiner zweiten Frau Anna (Irene Fischer) - dem damaligen Scheidungsgrund - fünf. Mit fast 70 Jahren ist er 2013 nochmal Vater eines Sohnes geworden. Wenig später erfährt er, dass er an Parkinson erkrankt ist.

Trotz der vertrackten Beziehungsgeschichte dürfte es vor allem für Mutter Beimer ein schwerer Abschied werden. Erst vor wenigen Jahren, Ende 2015, hat sie ja schon ihren zweiten Ehemann Erich Schiller (Bill Mockridge) verloren. Bei ihm war es das Herz. Das muss nun auch bei allen „Lindenstraße“-Zuschauern ganz stark sein.

 krone.at
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