Mi, 12. Dezember 2018

Neues Album „44/876“

19.04.2018 07:00

Sting & Shaggy: Ziemlich beste Freunde

Das einstige The-Police-Mastermind Sting ist zeit seines Lebens für Überraschungen gut, doch eine Kooperation mit dem jamaikanischen Reggae-Star Shaggy hätten sich auch die Hardcore-Fans des britischen Popstars nicht erwartet. Das Ergebnis dieser Liaision zwischen den USA und Jamaika ist ein Album namens „44/876“, eine Erfolgssingle namens „Don‘t Make Me Wait“ und eine Tour, die das Duo Ende Juni in den Steinbruch St. Margarethen nach Österreich führt. Bei Kerzenschein und spätwinterlicher Kälte sprachen wir mit den beiden in London darüber, wie es überhaupt dazu kam, warum das Projekt eine längere Zukunft haben kann und wie sie in kurzer Zeit zu besten Freunden wurden.

„Krone“: Sting, ursprünglich hattet ihr nicht geplant, gemeinsam ein Album zu veröffentlichen. Du wolltest nur als Gast auf einem neuen Song von Shaggy vertreten sein. Wie kam es dann schlussendlich zu dieser Kooperation?
Sting:
Wir hatten einfach so viel Spaß miteinander und sind schnell draufgekommen, dass unsere zwei Stimmen überraschenderweise sehr gut zusammenpassen. Wir sind dann ins Studio gegangen und dieser Spaß hörte bis zum Ende nicht auf. Als es an die Gesangsaufnahmen ging, mussten wir immer wieder lachen und ich finde, dass das Album diese Freude und die Freundschaft zwischen uns sehr gut reflektiert. Wir empfinden sehr viel Liebe und Respekt füreinander und genau darum geht es auch am Album.

War es bewusst eure Absicht, den Menschen etwas Fröhliches, Leichtfüßiges vorzulegen in einer Welt, die gegenwärtig überall zu bröckeln scheint?
Sting:
Die Musik spielt eine sehr wichtige Rolle in Zeiten des politischen Aufruhrs. Du musst den Leuten immer die Hoffnung geben, dass sich alles zum Besseren verändern wird und wir eines Morgens hoffentlich in Frieden aufwachen können. Die Dunkelheit wird sich irgendwann verziehen und wir beide glauben ernsthaft und fest daran. Wir sind der Meinung, dass dieses Album gerade sehr wichtig ist. Natürlich hätten wir es dunkel und schleppend gestalten können, aber ich halte es für besser, diese ernsten Themen in ein lebensbejahendes Korsett zu verpacken. Man muss positiv bleiben und daran glauben, dass Liebe und Freude die Dinge verändern können.

„Dreaming In The USA“ etwa ist so ein leichtfüßiger Song mit wichtiger Botschaft. Genaugenommen seid ihr aus unterschiedlicher Perspektive ja selbst beide US-Immigranten.
Shaggy:
Das sind wir tatsächlich. Dieser Song ist wie ein Liebesbrief an die USA und all die Dinge, die uns immer an diesem Land begeisterten. Meine Eltern haben immer davon geträumt, in die USA zu gehen um ein besseres Leben zu führen und einige Dinge wirkten sehr anziehend auf sie. All diese schönen Dinge sind aber im derzeitigen Klima gefährdet. Das erklären wir auch auf diesem Album und wir wollen die Leute darüber zum Nachdenken bringen, was nicht alles gefährdet ist, wenn es so weitergeht. Doch gerade in Zeiten wie diesen ist es schön, ein Teil Amerikas zu sein und für das Gute einzustehen.

Ist von den USA, wie ihr sie früher kennengelernt habt, noch viel übrig?
Sting:
All diese Dinge, die wir liebten, sind heute bedroht. Das Amerika, das Millionen junger Menschen deportieren will, weil sie nicht so weiß sind, wie sie sein sollten, oder weil sie Muslime oder Araber sind, ist einfach erschütternd. Das ist nicht das, was die Freiheitsstatue symbolisch ausstrahlt, sondern genau das Gegenteil. All das macht Amerika nicht wieder groß, sondern weltpolitisch verdammt klein und engstirnig. Auch diese Art von Kriegsrhetorik gegenüber unseren mexikanischen Nachbarn ist unfassbar. Das ist nicht das Amerika, das wir lieben und auch nicht das, dass die meisten Amerikaner lieben. Nur ein Bruchteil der Einwohner trägt diesen Kurs zustimmend mit.

Folgt ihr dem - zugegeben - naiven Gedanken, dass Musik die Welt zu einem besseren Ort machen kann?
Shaggy:
Musik kann deine Stimmung verändern und Konservation anregen. Die Musik kann aber nicht Probleme lösen.
Sting: Du kannst in den Köpfen der Menschen etwas pflanzen und es behutsam wachsen lassen, aber wichtig ist es, die richtigen Statements zu setzen.
Shaggy: Die Musik ist eine gute Plattform, um sich zu artikulieren und die Menschen zum Nachdenken anzuregen.

Viele eurer Hörer werden sich lieber den lockeren Pop-Reggae-Rhythmen hingeben, anstatt auf die Texte zu hören…
Sting:
Das ist durchaus okay, jeder muss für sich herausziehen, was er für richtig hält.
Shaggy: Die Songs selbst sind ja durchaus auch okay. Wir sind auf sie wohl ähnlich stolz, wie auf die Texte. (lacht)
Sting: Wir sind keine Typen, die jeden Song bis ins letzte Detail erklären müssen. Es kommt immer darauf an, wie die Hörer ihn interpretieren, was sie für sich mitnehmen können.  Wir sind keine Prediger, sondern gehen eher sanft ans Werk. Wir wollen keinesfalls radikale politische Botschaften in die Welt werfen.

Sting, du warst vom Rhythmus des Songs „Don’t Make Me Wait“, der ersten Single, so beeindruckt, dass du sofort zu Shaggy gestürmt bist und ihm sagtest, sie würde garantiert ein Hit. Was macht für dich einen Hit aus und worauf fußen diese Einschätzungen?
Sting:
Ich habe über die Jahre Erfahrungen mit Hits gemacht. (lacht) Ich wollte unbedingt ein Teil dieses Songs sein und so habe ich mich schnell reingeschummelt. Im Jänner haben wir den Song erstmals live in Kingston, Jamaica gespielt. Für gewöhnlich ist das anfangs immer schwierig, aber nach der halben Nummer haben alle mitgesungen und sind total in das Lied eingeflossen. Insofern hatte ich Recht. Hits graben sich in deine Gehörgänge und gehen nicht mehr weg. Obwohl wir noch Winter hatten, haben die Leute ihn schon als den Sommersong bezeichnet. Das ist vielleicht etwas voreilig, aber ich hätte nichts dagegen, wenn das auch so zutrifft.
Shaggy: Wir sind sehr glücklich über das Ergebnis und auch den Sound, den wir kreierten. Wir hatten unheimlich viel Leidenschaft und Spaß bei der Aufnahme und alles ging ganz locker von der Hand. Ich kann mich an keinen Tag erinnern, wo wir wirklich ernsthafte Diskussionen über die Richtung austragen mussten. Natürlich gab es auch Meinungsverschiedenheiten, aber wir schwammen stets auf derselben Welle. Es gab immer einen lockeren Kompromiss und das liegt daran, dass wir einen ähnlichen Musikgeschmack haben und uns perfekt verstanden. Musik entsteht aus Gefühlen und im Studio diktierte das Element der Überraschung unsere Arbeit. Wir wussten nie, wo es als nächstes hingehen würde. Es war aber immer klar, dass etwas passieren würde, weil wir beide sehr gerne experimentieren und die Dinge laufen lassen. Es war wie Magie.

Sting, du hast in Interviews oft betont, dass die Überraschung das wichtigste Element von Musik sei. Wo konntet ihr euch gegenseitig überraschen bei dieser Zusammenarbeit?
Shaggy:
Wir waren immer voneinander überrascht und genau deshalb klappte alles so gut. Es war wirklich so, dass einer etwas vorgab und der andere sofort einstieg. Wir wussten nicht, was wir mögen und was passieren wird und das war unheimlich spannend.
Sting: Wir haben uns gegenseitig dazu gebracht, unsere Komfortzone zu verlassen. Ich habe ihn singen lassen. Also so richtig singen. (lacht) Und er hat dafür gesorgt, dass ich spontaner bin und meine Ideen gleich umsetze. Sie nicht wie sonst zu sehr analysiere oder überdenke. Jeder konnte vom anderen viel lernen und das war ungemein wichtig.

„Don’t Make Me Wait“ ist im Prinzip auch so etwas wie eine Ode an die Frauenwelt.
Shaggy:
Es geht darin um einen Mann in einer Beziehung, der sich an das Tempo und den Timetable der Frau gewöhnen muss. Der Song ist gerade jetzt, wo die #metoo-Bewegung ihren Höhepunkt hat, sehr wichtig, obwohl es nie die Intention war, ihn in die Richtung zu drehen. Wir sind beide mit starken Frauen verheiratet und wissen genau, was Geduld haben bedeutet. (lacht) Der Song war aber schon vor der #metoo-Bewegung fertiggestellt. Er hat einen romantischen Touch und würdigt die Frau.

Obwohl man es anders vermuten würde, habt ihr die Songs nicht in Jamaica, sondern tatsächlich in New York geschrieben.
Shaggy:
Wir haben in Jamaica das Konzert gespielt, Urlaub gemacht und das Video zu „Don’t Make Me Wait“ gedreht, aber die Arbeit war tatsächlich in New York. Wir konnten morgens einfach ins Studio rübergehen und hatten dort einen Timetable, an den wir uns halten mussten. In Jamaica hätten wir auf jeden Fall länger gebraucht, denn wenn du den Strand vor der Nase hast, dann wird es schwer, diszipliniert zu bleiben. (lacht) In New York bist du natürlich fokussierter. Wir hatten viele Jamaikaner im Studio und manche haben sogar gearbeitet. (lacht) Wir alle hatten aber das große Ziel, zusammenarbeitend gute Musik zu erschaffen

Der Albumtitel „44/876“ repräsentiert die Länderzählen eurer jeweiligen Heimat England und Jamaika. Was war der Grund, sie so zu verwenden?
Sting:
Es ist eine gute Analogie für all das, was gerade passiert. Beides sind Inseln und wir haben eine gemeinsame, lange Geschichte - wenn auch nicht immer vorbehaltlos positiv. Es leben sehr viele Jamaikaner in Großbritannien und viele Briten zog es über die Jahre nach Jamaika. Die Reggae- und karibische Musik standen mir zudem schon immer nahe und wir wollten die beiden Kulturen verbinden und den gegenseitigen Respekt füreinander in den Vordergrund stellen.

Das Album vermischt sich auch eindeutig aus euren beiden Stärken und zeigt sich mal Reggae-, mal Pop-, mal Ska-lastiger. Gab es eine Direktive, dass alles gleichberechtigt seinen Platz haben muss oder habt ihr auch das natürlich fließen lassen?
Shaggy:
So dachten wir niemals. Wenn du meine Karriere verfolgst, wirst du erkennen, dass ich niemals Alben in einer puren Form kreierte. Wie kann man Grenzen einreißen und sich entwickeln? Das schaffst du dann, wenn du fusionierst, probierst und experimentierst. Sting ist auch ein Experimentalist. Ist das überhaupt ein Wort?
Sting: Warum nicht, jetzt ist es eines. (lacht)
Shaggy: Darum geht es im Endeffekt: Hybriden zu erschaffen und auf keine Schablone zu achten. Alles einfach fließen zu lassen.
Sting: Wir machen einfach Popmusik und die zieht ihre Einflüsse aus allen Richtungen. Die Songs sind sehr organisch und leben ihr eigenes Leben. Wir wollten uns nie in eine Musikform versklaven lassen, weil uns das nur gehindert hätte, diese Songs zu erschaffen.

Wird eure Kooperation eine langlebige sein?
Sting:
Nein, keinesfalls. (lacht) Ich glaube schon, ganz im Ernst. Werden wir für den Rest unserer Karriere an den Hüften zusammengewachsen sein? Nein, aber wir verstehen uns so gut, dass es schade wäre, würden wir nicht weiter etwas auf die Beine stellen. Die Erfahrungen, die wir machten, waren wundervoll und wir werden sehen, wohin uns das Abenteuer als nächstes hinträgt. Wie immer wird es jedenfalls auch da wieder eine Überraschung sein.

Natürlich werden sich eure Fans eine ausufernde Tour erwarten.
Sting:
Ich beginne langsam daran zu denken, dass das vielleicht wirklich die beste Lösung für uns wäre. Kluge Menschen in unserem direkten Umfeld müssen herausfinden, wie sich das auch zeitlich lösen lassen würde.
Shaggy: Jeder von uns hat schon Touren gebucht und wir müssen noch genau schauen, wie wir das auf die Reihe kriegen. Es spricht aber nichts dagegen.
Sting: Er war Lehrer, wie könnte ich ihm widersprechen. (Iacht) Natürlich könnten wir auch als Hologramme gemeinsam auftreten, während wir physisch ganz woanders anwesend sind. Das kommt ja bekanntlich immer mehr in Mode. Oder einer ist da und der andere wird zugeschalten. (lacht)

Im Zuge ihrer Zusammenarbeit kommen Sting & Shaggy mit ihrem brandneuen Album auch nach Österreich. Am 27. Juni spielen sie im burgenländischen Steinbruch St. Margarethen. Das Konzert ist bereits restlos ausverkauft.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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