Di, 19. Juni 2018

Trümmer im Ozean

02.04.2018 07:30

Chinas Raumlabor „Tiangong“ in Südpazifik gestürzt

Seit zwei Jahren kreiste das chinesische Raumlabor unkontrolliert in immer engeren Bahnen um die Erde, nun ist „Tiangong 1“ abgestürzt. Teile des „Himmelspalasts“ fielen kurz nach 2 Uhr unserer Zeit am Ostermontag in den Pazifik, wie das US-Militär und die chinesische Raumfahrtorganisation CMSEO berichteten.

„Es ist sehr unwahrscheinlich, dass etwas auf Land gefallen ist“, sagte Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA). Der Absturz sei mitten über dem Südpazifik nahe den Inseln von Amerikanisch-Samoa erfolgt, erklärte Krag. „Das ist so ziemlich das beste Gebiet, das man sich aussuchen kann von den Sicherheitsaspekten her.“ Die Überreste des Raumlabors fielen damit zufällig in der Region ins Meer, in der auch bei kontrollierten Abstürzen Weltraummüll entsorgt wird. „Es hätte gar nicht besser laufen können.“

Raumstation war seit 2011 im All
China hatte „Tiangong 1“ 2011 ins All geschossen. Ein kontrollierter Absturz des 8,5 Tonnen schweren und zwölf Meter langen Raumlabors über dem Meer war nicht möglich, weil seit März 2016 kein Kontakt mehr zum „Himmelspalast“ bestand und die Triebwerke nicht gezündet werden konnten. Das Labor war, abgebremst von der Atmosphäre, der Erde langsam immer näher gekommen. Mitte Jänner war die Station noch auf einer Umlaufbahn in etwa 280 Kilometern Höhe unterwegs.

Experten hatten geschätzt, dass etwa 1,5 bis 3,5 Tonnen des Raumlabors die Hitze beim Eintritt in die unteren Atmosphärenschichten überstehen und als kleine Stücke auf die Erdoberfläche fallen könnten - vor allem Teile aus Titan oder Edelstahl.

„Tiangong 2“ seit zwei Jahren im All
„Tiangong 1“ war ein experimentelles Weltraumlabor, mit dem Rendezvous- und Andockmanöver getestet wurden. Nach ESA-Angaben gab es zwei bemannte Missionen dorthin. Im Vergleich zur rund 450 Tonnen schweren Internationalen Raumstation (ISS) war der „Himmelspalast“ winzig. China hatte 2016 ein neues Raumlabor ins All geschossen. In „Tiangong 2“ können zwei Astronauten länger als im Vorgängermodell leben. Außerdem hat es eine höhere Ladekapazität und lässt sich erstmals auftanken.

Mit seinen Raumlaboren will China Erfahrungen für den Bau einer eigenen Raumstation sammeln, die um das Jahr 2022 fertig werden soll. Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Erde verfolgt ein ambitioniertes Raumfahrtprogramm, das auch den Mond und den Mars als Ziele hat.

 krone.at
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