Aus Umfeld des Täters
Terror in Frankreich: Noch 2 Verdächtige in Haft
Nach dem IS-Terrorangriff in Südfrankreich mit vier Todesopfern sind noch zwei verdächtige Menschen im Polizeigewahrsam. Festgehalten würden eine 18 Jahre alte Frau aus dem Umfeld des mutmaßlichen Täters sowie ein minderjähriger Freund, sagte Anti-Terror-Staatsanwalt Francois Molins am Montagabend in Paris.
Die junge Frau sei radikalisiert und habe bei ihrer Festnahme „Allahu akbar“ (Gott ist groß) gerufen. Beide Verdächtige bestreiten demnach, etwas mit den Terrorangriffen vom Freitag zu tun zu haben. Molins bestätigte Medienberichte, wonach der 25-jährige Radouane L. bei seinem Überfall auf den Supermarkt in der Nähe von Carcassonne die Freilassung des mutmaßlichen Topterroristen Salah Abdeslam gefordert habe. Das habe der Gendarm, der sich bei der Geiselnahme freiwillig in die Gewalt des Täters begeben hatte, seinen Kollegen berichtet. Abdeslam soll zur IS-Terrorzelle gehören, die die schweren Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verübte. Er sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft.
Der mit mehreren Stichwunden verletzte Gendarmerieoffizier war nach den Angriffen in einem Krankenhaus gestorben.
Neue Debatte um Ausnahmezustand in Frankreich entbrannt
Nach den Angriffen haben Konservative und Rechtspopulisten Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron Nachlässigkeit im Anti-Terror-Kampf vorgeworfen. Die Mitte-Rechts-Partei Les Republicains sprach am Montag von einer „schuldhaften Naivität“. Parteichef Laurent Wauquiez forderte, den im November 2017 ausgelaufenen Ausnahmezustand wieder zu verhängen und mutmaßlich gefährliche Islamisten zu internieren. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen verlangte den Rücktritt von Innenminister Gérard Collomb. Das Macron-Lager warf ihr und Wauquiez dagegen vor, das Drama politisch auszuschlachten.
Le Pen fordert Auswesiung ausländischer Gefährder
Für Diskussionen sorgte, dass der Täter seit 2014 wegen Radikalisierung in einer Gefährder-Datenbank der Sicherheitsbehörden stand. Wauquiez forderte, die gefährlichsten Radikalisierten zu internieren. Diejenigen, die keine Franzosen sind, sollten sofort abgeschoben werden. „Wir müssen sie außerstande setzen, Schaden anzurichten, bevor sie das Blut von Unschuldigen vergießen.“ Chefermittler Molins sagte, dass der Tatverdächtigte bis in den laufenden Monat hinein von Geheimdiensten überwacht wurde. Marine Le Pen forderte im Sender BFMTV ebenfalls die Ausweisung mutmaßlicher ausländischer Gefährder. Macron warf sie vor, das Ausmaß der Terrorgefahr nicht erkannt zu haben.
Nach früheren Angaben von Molins war der Angreifer 2016 und 2017 von den Behörden überprüft worden - offen blieb aber, in welcher Form. Er wiederholte am Montag, es hätten sich keine Anzeichen ergeben, dass er einen Terrorakt begehen würde.
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