Folter-Martyrium
Der Schuhwerfer von Bagdad rechnet ab
Bei dem Bush-Besuch im Dezember 2008 hatte Saidi auf einer Pressekonferenz in Bagdad seine Schuhe in Richtung Bush geworfen und dabei gerufen: "Das ist dein Abschiedskuss, du Hund!" Bush duckte sich weg und wurde nicht getroffen. Einen Menschen mit einem Schuh zu bewerfen ist in der muslimischen Welt eine schwere Beleidigung, ebenso wie die Beschimpfung als "Hund". Saidi sagte am Dienstag, er wollte Bush genauso erniedrigen, wie die USA den Irak erniedrigten, "als sie mein Land mit ihren Stiefeln traten".
Bereits der Empfang zu Beginn der U-Haft im irakischen Gefängnis, das von der Pro-Bush-Regierung unter Präsident Nuri al-Maliki verwaltet wird, sei ein äußerst brutaler gewesen, schilderte Saidi bei der Pressekonferenz. "Sie schlugen mich mit Eisenstäben, peitschten mich mit Kabeln aus und zerrten mich nach draußen, wo sie mir Elektroschocks verpassten. Gleich die erste Nacht musste ich in der Winterkälte im Freien verbringen. Vor Einbruch der Dunkelheit übergoss man mich mit Wasser." Auch das gefürchtete Water-Boarding habe man mit ihm unternommen.
Saidi erhielt offenbar "Folter-Besuche" durch Politiker
Der Fernsehjournalist war im Dezember vergangenen Jahres gleich nach der Attacke auf Bush festgenommen und wenige Wochen später wegen Angriffs auf ein ausländisches Staatsoberhaupt zunächst zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Ein irakisches Berufungsgericht verkürzte die Strafe später auf ein Jahr. "Die Entscheidung zeigt die Integrität und die Gerechtigkeit der irakischen Justizbehörden", sagte Saidis Anwalt Dhiya el Saadi. Sie sei ohne jegliche Einflussnahme von außen getroffen worden.
An der Regierung und Militärvertretern lässt Montasser al-Saidi hingegen kein gutes Haar. Die irakischen Politiker hätten das Land den Amerikanern ausgeliefert und seien für das Chaos mitverantwortlich. Saidi kündigte bei der Pressekonferenz an, er werde in den nächsten Wochen Namen von hochrangigen Politiker und Militärs veröffentlichen, die an den Misshandlungen gegen ihn beteiligt gewesen sein sollen. "Während Ministerpräsident Nuri al-Maliki auf allen Kanälen behauptet hat, er könne nicht schlafen, solange er nicht wegen meines Schicksals beruhigt worden sei, wurde ich auf das Schlimmste gefoltert", sagte der 30-jährige Reporter auf der Pressekonferenz bei seinem früheren Arbeitgeber, dem Fernsehsender Al Baghdadya.
Geschenke, Orden und Heiratsangebote
Saidis Unterstützer hatten schon am frühen Morgen ein Festzelt aufgebaut, um den Schuhwerfer zu feiern, der in ihren Augen ein Held ist. Sie schlachteten zu seinen Ehren mehrere Schafe und ließen Volksmusik spielen. Der Emir von Katar will ihm ein Pferd aus Gold schenken, der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi einen Orden verleihen, andere hätten Sportwagen versprochen. Zudem erhielt er Heiratsangebote von zahlreichen Frauen.
Vor seiner Rückkehr nach Hause hatte Saidi noch bei seinem ehemaligen Arbeitgeber vorbeigeschaut. Der Privatsender mit Sitz im ägyptischen Kairo hatte dem 30-Jährigen sein Gehalt auch während der Haft weitergezahlt. Als Belohnung für die Berühmtheit, die er auch dem Sender einbrachte, sollte er von diesem auch ein Haus erhalten. Laut seinem Bruder will Saidi aber künftig nicht mehr dort arbeiten. Mit dem Geld seiner Bewunderer wolle er ein Zentrum für Witwen und Waisen gründen.
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