So, 22. Juli 2018

Martyrium in den USA

17.01.2018 12:26

Tante: „Irgendwas stimmte mit der Erziehung nicht“

Die Schwester von Louise Turpin, die gemeinsam mit ihrem Mann David ihre 13 Kinder in ihrem Haus in Kalifornien gefangen gehalten hatte, hat sich nun ebenfalls in der Causa zu Wort gemeldet: "Irgendwas stimmte mit der Erziehung nicht", sagte sie in einem Fernsehinterview. Das Ehepaar habe sich abgeschottet, keinen Besuch zugelassen. Nicht einmal Louises eigene Eltern hätten ihre Adresse gekannt. Die aus den katastrophalen Zuständen befreiten jungen Opfer werden noch lange Zeit psychologische und psychiatrischer Hilfe benötigen, so Experten.

Der dramatische Misshandlungfall in Perris wurde aufgedeckt, als sich ein 17-jähriges Mädchen am Sonntag Zugriff zu einem Handy verschaffen und den Notruf wählen konnte. Die Polizei fand die abgemagerten Geschwister teilweise ans Bett gekettet in verdunkelten, verdreckten Räumen vor. Den Eltern werden schwere Misshandlung und Kindesgefährdung vorgeworfen, sie müssen am Donnerstag vor Gericht erscheinen. 

Louises Schwester Elizabeth Jane Flores (41) schilderte nun ihre Erfahrungen mit der Familie gegenüber DailyMailTV. Seit 19 Jahren habe sie ihre Schwester nicht gesehen. Sie habe – wie ihre Eltern – nur telefonischen Kontakt zu Louise gehabt. Diese habe verweigert, dass die Tante mit den 13 Nichten und Neffen spricht. "Es stimmte etwas nicht mit ihrer Erziehungsmethode, aber ich habe niemals erwartet, dass so etwas passiert", so die geschockte Tante.


"Da war nichts, was wir tun konnten"
Elizabeth wohnt in Cleveland in Tennesse, rund 3000 Kilometer vom Horror-Haus der Turpins in Perris entfernt. Wie ihre Schwester ist auch sie sehr religiös. Sie ist Autorin und christliche Motivationstrainerin und selbst Mutter von sieben Kindern. "Wir waren so besorgt um sie, weil uns alles eigenartig vorkam, aber da war nichts, was wir tun konnten", schildert sie das Verhältnis zu ihren Verwandten.

Ihre Eltern seien mehrmals für einen Besuch zu den Turpins geflogen – diese hätten allerdings nicht ihre Adresse verraten. "Meine Eltern sind jedes Mal weinend wieder zurückgekehrt", so Elizabeth. Sie seien gestorben, bevor sie ihre Enkel wiedergesehen hätten. Die Tante weiter: "Es bricht mir das Herz und bin zutiefst beschämt." Nicht einmal ihre Freundschaftsanfrage auf Facebook sei beantwortet worden.

Die misshandelten Kinder im Alter von zwei bis 29 Jahren werden noch lange Zeit psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Angesichts der langen Phasen von "Hunger und Misshandlung" bedürften sie langfristig psychologischer und psychiatrischer Behandlung, sagte die Leiterin der Abteilung für die Behandlung von Missbrauchsopfern an den Kliniken der Riverside University, Sophia Grant.

Kinder "stabil" und "hoffnungsvoll"
Mark Uffer, Leiter des Regionalkrankenhauses von Corona, wo die erwachsenen Opfer aus dem Haus behandelt wurden, bezeichnete den Zustand der Patienten als "stabil". "Ich glaube, sie sind hoffnungsvoll, dass ihr Leben nach diesem Vorfall besser wird." Sie seien jetzt in einer "sehr sicheren und geschützten Umgebung".

Miriam Krammer
Miriam Krammer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.