Nach zwei Wochen

Geheimdienst lässt Seeleute der “Arctic Sea” frei

Ausland
30.08.2009 12:30
Im mysteriösen Fall um den finnischen Frachter "Arctic Sea" sind die russischen Seeleute des Schiffs (Bild) nach rund zweiwöchigem Verhör durch den Geheimdienst in Moskau freigelassen worden. Die Männer seien am Bahnhof der Stadt Archangelsk von ihren Angehörigen in Empfang genommen worden, meldete die Agentur Interfax am Sonntag.

Die russische Justiz geht davon aus, dass die "Arctic Sea" im Juli von acht mittlerweile verhafteten "Piraten" in der Ostsee gekapert wurde. Nach ihrer Befreiung wurden die Seeleute vom Geheimdienst festgehalten, um eine mögliche Komplizenschaft mit den Entführern zu klären. Nach Einschätzung von Militärexperten könnte der angeblich mit Holz beladene Frachter Waffen geschmuggelt haben.

Kritik von Angehörigen der Matrosen
Sie hätten sich bei den Vernehmungen durch den Geheimdienst "nicht besonders wohl" gefühlt, sagte einer der Seeleute. Einzelheiten zur mutmaßlichen Entführung oder den Gesprächen mit der Justiz in Moskau teilten die Männer nicht mit. Unklar war zunächst, ob bereits alle Seeleute freigelassen wurden. Während der russische Marineexperte Michail Wojtenko von "allen elf" Besatzungsmitgliedern sprach, nannte das Internetportal Life.ru lediglich neun. Die Angehörigen hatten die russischen Behörden scharf kritisiert, weil sie in den vergangenen Wochen keinerlei Kontakt mit den Seeleuten aufnehmen konnten.

Anklage gegen Entführer erhoben
Der Kapitän sowie drei weitere Seemänner befinden sich weiter an Bord des Schiffs, das die russische Kriegsmarine derzeit von Westafrika aus in den Schwarzmeerhafen Noworossijsk schleppt. Dort soll die "Arctic Sea" auf mögliche Schmuggelfracht durchsucht werden.

Gegen die mutmaßlichen Entführer des lange verschollen geglaubten Schiffs wurde mittlerweile in Moskau Anklage erhoben. Den überwiegend estnischen Verdächtigen im Alter zwischen 29 und 45 Jahren drohen 20 Jahre Haft. Sie beteuern ihre Unschuld und erklären, als Umweltschützer am 24. Juli in Seenot in schwedischen Hoheitsgewässern von der "Arctic Sea" gerettet worden zu sein.

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