Abschied von Ted

USA nehmen Abschied von Ted Kennedy

Ausland
30.08.2009 08:19
Amerika hat in tiefer Trauer Abschied von Edward Kennedy genommen: US-Präsident Barack Obama würdigte den mit 77 Jahren gestorbenen Senator als "Seele der demokratischen Partei" und "Löwen des US-Senats". Ted Kennedy sei als Senator zum "größten Gesetzgeber unserer Zeit geworden", sagte Obama bei einem bewegenden Trauergottesdienst am Samstagmorgen (Ortszeit) in Boston (Massachusetts). Am Abend wurde Kennedy auf dem amerikanischen Nationalfriedhof Arlington (US-Staat Virginia) beerdigt.

An der privaten Zeremonie auf dem Friedhof an der Stadtgrenze zu Washington nahmen vor allem Angehörige und engste Freunde teil. In Arlington haben auch Ted Kennedys ermordete Brüder John F. Kennedy und Bob Kennedy die letzte Ruhe gefunden. Die großen US-Fernsehstationen übertrugen trotz der angebrochenen Dunkelheit die nur vage sichtbaren Begräbnis-Feierlichkeiten - ebenso wie den Gedenkgottesdienst am Vormittag Boston (Massachusetts) - live.

1.500 geladene Gäste bei Trauerfeier
Zu den 1.500 dicht gedrängten Teilnehmern der Feier in der Basilika "Our Lady of Perpetual Help" gehörten die ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter, Bill Clinton - in Begleitung seiner Frau, US-Außenministerin Hillary Clinton - und George W. Bush. Unter der Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur befanden sich auch Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger und Hollywoodstar Jack Nicholson. Kinder, Enkel und Neffen Ted Kennedys gestalteten - zum Teil mit Tränen erstickter Stimme - den katholischen Gottesdienst zu Ehren des Senators von Massachusetts mit.

Opernstar Placido Domingo sang, von dem berühmten Cellisten Yo-Yo Ma begleitet, "Panis Angelicus", komponiert von Cear Franck. Die Opernsängerin Susan Franck bot das "Ave Maria" von Franz Schubert dar. Ted Kennedy war am Dienstagabend an einem Gehirntumor gestorben.

Kennedy sei ein Mann mit Überzeugungen und Humor gewesen, den auch die politischen Gegner respektiert hätten. Mehr als tausend Gesetze trugen den Namen des Gestorbenen, so Obama. Ted Kennedy sei "vom Baby der Familie zu ihrem Patriarchen geworden". Er sei nie der Repräsentant der Reichen und Mächtigen gewesen, "er gab denen eine Stimme, die nicht gehört wurden".

Tausende erwiesen ihm die letzte Ehre
Schon am Freitag hatten Verwandte, Parteifreunde und Oppositionspolitiker bei einer Gedenkveranstaltung den US-Senator als einen der Heroen der amerikanischen Politik gewürdigt. Vizepräsident Joe Biden nannte ihn in der John F. Kennedy-Gedenkstätte in Boston ein Vorbild an Uneigennützigkeit und Lebensmut. Er glaube nicht, dass mit dem Tod des Senators die "Ära Kennedy" vorbei sei. Nach wie vor bildeten die Kinder der Generation von John F., Bob und Edward Kennedy "eine unglaubliche Familie..., talentierter und engagierter als jede andere Familie, die ich gesehen habe".

Auf der Veranstaltung mit dem Titel "Ein Fest für das Leben" zeichneten Verwandte und Spitzenpolitiker mit zahlreichen Anekdoten ein oft heiteres Bild des "liberalen Löwen aus Massachusetts". Chöre und Sänger komplettierten die bewegende Gedenkfeier. Schon seit Donnerstag hatten mehr als 50 000 Menschen dem Senator an seinem aufgebahrten Sarg in der John F. Kennedy Bibliothek die letzte Ehre erwiesen.

47 Jahre ununterbrochen im US-Senat
Nach dem Tod seiner beiden in den 60er Jahren ermordeten Brüder John F. und Robert hatte Edward als Oberhaupt seines Familien-Clans gegolten. Er saß 47 Jahre ununterbrochen im US-Senat und wurde zu einem der politischen Schwergewichte Amerikas. Seine Ambitionen, Präsident der mächtigsten Nation der Welt zu werden, zerschlugen sich, als er 1969 einen Unfall verursachte, bei dem seine Begleiterin in einem Fluss ertrank, und sich erst Stunden später bei der Polizei meldete.

Sprachrohr der Arbeiter, Armen und Schwachen

Kennedy wurde erstmals 1962 in den Senat gewählt, als sein Bruder noch Präsident war. Der oft nur "Ted" genannte Politiker verstand sich als Sprachrohr der Arbeiter, der Armen und Schwachen und äußerte sich vor allem zu Fragen der Gesundheitspolitik, zu Bürgerrechten und zur Friedenspolitik. In den vielen Jahrzehnten im Senat nahm er Einfluss auf fast jedes Gesetz zur Sozialgesetzgebung, das den Kongress passieren musste. Kennedy war auch einer der schärfsten Kritiker der Irak-Politik von George W. Bush.

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