Mehr als 50 Opfer

Arzt soll Frauen sexuell missbraucht haben

Ausland
18.08.2009 08:41
Unter dem Verdacht, mehr als 50 Patientinnen während der Narkose oder in der Aufwachphase sexuell missbraucht zu haben, ist einer der bekanntesten Spezialisten Brasiliens für künstliche Befruchtung festgenommen worden. Roger A. wurde am Montag in seiner Nobel-Klinik in Sao Paulo von der Polizei abgeführt.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nach Angaben des Internetportals globo.com Vergewaltigung vor. Eine Patientin berichtete, der Mediziner habe sie an intimen Stellen berührt und geküsst. Sie sei aber von der Narkose noch zu benommen gewesen, um sich zu wehren.

Anwalt weist Vorwürfe zurück
Der Anwalt des Arztes wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück und betonte, die vorübergehende Festnahme sei illegal. "Er hat bereits alle Anforderungen erfüllt, um die Gerichtsverhandlung in Freiheit abzuwarten." Auch die regionale Ärzte-Ethik-Kommission von Sao Paulo leitete Untersuchungen ein. Der Beschuldigte werde aber alle Möglichkeiten bekommen, sich zu verteidigen.

Eines der mutmaßlichen Opfer berichtete von einer sexuellen Belästigung kurz nach dem Eingriff. "Während ich (aus der Narkose) langsam erwachte, merkte ich, wie er (der Arzt) meinen Mund küsste, und mir sagte, ich sollte ihn küssen. Ich erinnere mich, dass seine Hand über meinen Körper strich." Eine andere Patientin berichtete, der Mediziner habe ihre Brüste gestreichelt.

Einige der Vorwürfe seit Jahren bekannt
"Dr. Roger" wirbt auf seiner Internet-Seite damit, dass er und sein Team dabei halfen, bis 2006 mehr als 6.000 Babys durch künstliche Befruchtung auf die Welt zu bringen. "Ich habe immer geglaubt, dass eine gute Gesellschaft aus guten Familien besteht", wirbt der Vater von fünf Kindern und zwölffache Großvater für die künstliche Befruchtung. Auch prominente Ehepaare mit Kinderwunsch haben den Spezialisten aufgesucht.

Der Staatsanwaltschaft waren einige der Vorwürfe schon seit vergangenem Jahr bekannt. Allerdings wurde den Anschuldigungen nach Medienberichten lange Zeit nicht nachgegangen, weil es zu diesem Zeitpunkt noch keine polizeilichen Ermittlungen gab.

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