Das tut weh!

Pain

Spiele
18.08.2009 10:41
Es soll ja Menschen geben, die stehen auf Schmerzen. Für die waghalsigen Charaktere in Sonys aberwitzigem Arcade-Game "Pain" trifft dies jedenfalls zu. Mit Genuss stürzen sie sich ins Getümmel, um ihrer Umgebung, aber vor allem sich selbst eine Abreibung zu verpassen. Nicht nur Sadisten dürften dabei eine gewisse innere Genugtuung empfinden.

Das Spielprinzip von "Pain" ist schnell erklärt: Als menschliche Kanonenkugel gilt es mit Hilfe eines gigantischen Katapults innerhalb möglichst kurzer Zeit möglichst viel Chaos zu verursachen. Je schmerzvoller die Landung, desto höher die Punktzahl, wobei es für die Verkettung von Explosionen, Crashs und anderen Wehwehchen Extra-Punkte gibt.

Insgesamt 15 Charaktere nehmen diese Herausforderung an, darunter Spinner, Versager, verdrehte Genies oder auch David Hasselhoff, der wahrscheinlich von allem ein bisschen in sich vereint. Abgesehen von zusätzlichen Kostümen, die mit der Zeit freigespielt werden können, verfügt jeder Charakter über seine eigene Physik, eigene Sprüche und auch eigene Moves.

Denn am Ende des Fluges zählt nicht nur, wie viel man zerstört hat, sondern auch, wie kunstvoll man dies getan hat. Unter Zuhilfenahme der Schultertasten darf man etwa in Superman-Pose durch die Lüfte gleiten oder eher unfein mit einer Arschbombe in den Sturzflug übergehen. Darüber hinaus kann sich jede Figur, ob latexbehandschuhte Krankenschwester oder einbeiniger Pirat, auf Knopfdruck an Objekten festhalten bzw. nach solchen greifen, um beispielsweise während des Fluges explosive Fracht aufzunehmen und an anderer Stelle fallen zu lassen.

Wer jedoch ein wahrer Meister der Schmerzen werden möchte, muss vor allem das "Ooch" beherrschen – eine Energie, die durch das Ansammeln von Schmerzen freigesetzt wird und bedingt, dass sich der Charakter nach seinem Crash noch wenige Sekunden bewegen kann. Mitunter reicht dies aus, um sich zurück ins Geschehen zu befördern und weiteres Unheil zu verursachen, beispielsweise, indem man sich mittels "Ooch" vom Gehsteig auf die vielbefahrene Straße bugsiert.

Neben dem freien Modus, in dem man sich ohne Zeitlimit und mit einer unbegrenzten Anzahl von Würfen nach Herzenslust austoben kann, bietet "Pain" nun eine Reihe unterschiedlicher Einzel- und Mehrspieler-Modi, in denen die zuvor erwähnten Taktiken erprobt werden können. Während es im Singleplayer-Part beispielsweise darum geht, so viele Sprengstoff-Kisten wie möglich zu treffen, sämtliche Fensterscheiben zu zerstören oder die im Level versteckten Affen abzuschießen, treten im Multiplayer bis zu vier Spieler als menschlicher Dart-Pfeil bzw. Bowling-Kugel gegeneinander an oder versuchen in "Festung", die Burg des Kontrahenten zu zerstören.

Die meiste Zeit dürften Spieler jedoch im freien Spiel verbringen und sich dabei an den vier abwechslungsreich gestalteten Umgebungen erfreuen. Neben der geschäftigen Innenstadt von Downtown sind dies etwa ein Vergnügungspark oder die berühmten Pain-Filmstudios. Allen Settings gemein ist, das sie sich auf vielerlei Art und Weise zerstören lassen und zudem ausreichend Gelegenheit bieten, auf Entdeckungstour zu gehen/fliegen. Das ist durchaus gewollt, warten in "Pain" doch zahlreiche Sammel-Objekte und Achievements darauf, gefunden und freigespielt zu werden.

Fazit: Ein bisschen Schadenfreude ist schon dabei, wenn man seinen eigenen Charakter das erste Mal gegen die Wand pfeffert und dann genüsslich dabei zusieht, wie sich eine Kettenreaktion der Zerstörung in Gang setzt. Hat der Schmerz nachgelassen, stellt sich aber bald eine gewisse Ernüchterung ein: Trotz humoriger Charaktere, schrägem Gameplay und der ausgereiften Präsentation vermag es das Spiel leider nicht, langfristig zu begeistern. Muss es aber - nicht zuletzt auch wegen des günstigen Anschaffungspreises - auch gar nicht. Nur mal eben schnell zwischendurch etwas Chaos zu verursachen, kann schließlich auch schon recht lustig sein.

Plattform: PS3 (Blu-ray/PSN)
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 7/10


von Sebastian Räuchle

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