Gloriose Heimkehr
Lockerbie-Bomber in Libyen mit Jubel empfangen
Der Libyer war 2001 wegen des Terroranschlags auf eine Maschine der US-Fluglinie PanAm über dem schottischen Lockerbie zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Bei dem Anschlag im Dezember 1988 kamen 270 Menschen ums Leben, vor allem Amerikaner. Angehörige amerikanischer Opfer des Lockerbie-Anschlags äußerten sich dementsprechend verbittert über die Entscheidung. Ärzte hatten al-Megrahi zuletzt nur noch drei Monate zu leben gegeben, das gab dann auch den Ausschlag.
MacAskill verteidigt Entscheidung
Vor der Verkündung seiner Entscheidung hatte MacAskill an den schlimmsten Terroranschlag in der Geschichte Großbritanniens erinnert: "Er zeigte kein Mitleid mit den Opfern", sagte er mit Blick auf al-Megrahi. Und viele Wunden, die er den Familien der Opfer zugefügt habe, würden nie verheilen. "Daher werden viele mit meiner Entscheidung nicht einverstanden sein." Aber die Krankheit sei "unheilbar", al-Megrahi stehe nun vor der "Strafe einer höheren Gewalt", sagte der Minister. "Er wird bald sterben."
Der britische Außenminister David Miliband kritisierte unterdessen den begeisterten Empfang al-Megrahis in seiner Heimat. Es sei "äußerst bedauerlich und erschütternd", wie ein Massenmörder in der libyschen Hauptstadt als Held willkommen geheißen werde, sagte Miliband am Freitag dem Radiosender BBC. Der libysche Umgang mit dem nun Freigelassenen könne diplomatische Konsequenzen nach sich ziehen, warnte der britische Chefdiplomat. Libyen müsse wissen, dass seine Handlungen in den kommenden Tagen großen Einfluss darauf hätten, wie die Welt die Rückkehr des Landes in die Staatengemeinschaft werte.
Heftige Proteste auch aus den USA
US-Präsident Obama forderte die libysche Regierung auf, al-Megrahi bei seiner Rückkehr keinen Empfang zu bereiten und ihn anschließend unter Hausarrest zu stellen. "Er ist ein Terrorist, kein Held", sagte Robert Gibbs, Sprecher des Außenamtes, am Donnerstagabend in Washington. Wenn Libyen ihn nun zum Helden stilisiere, dann werde dies Konsequenzen für das künftige Verhältnis haben. Das Mitgefühl gelte nun den Familien der Opfer, "die jeden Tag mit dem Verlust ihrer Lieben leben müssen", hatte es zuvor aus dem Weißen Haus geheißen. Außenministerin Hillary Clinton teilte mit, die US-Regierung sei "tief enttäuscht". "Er ist ein Massenmörder und Terrorist", klagte auch Susan Cohen, deren Tochter unter den 189 amerikanischen Todesopfern des Anschlags war, im Sender CNN. Sie warf London eine "Beschwichtigungspolitik" gegenüber der libyschen Führung vor.
Al-Megrahi sieht sich als Justizopfer
Al-Megrahi stellte sich in einer nach seinem Abflug verbreiteten Erklärung als Opfer eines Justizirrtums dar. "Die schreckliche Qual ist nicht mit meiner Rückkehr nach Libyen vorbei. Sie mag nicht enden, bis ich sterbe. Vielleicht ist die einzige Befreiung für mich der Tod. Und ich sage es so klar wie möglich und hoffe, dass es jeder in diesem Land hören wird: Ich musste das alles für etwas ertragen, das ich nicht getan habe." Zudem richtete er sich an die Hinterbliebenen der Opfer: "An die Angehörigen der Opfer, die es ertragen können, mich das sagen zu hören: Sie haben weiterhin mein tief empfundenes Mitgefühl für den unvorstellbaren Verlust, den sie ertragen mussten."
Einziger Verurteilter für Lockerbie geht frei
Al-Megrahi war der Einzige, der für das Attentat am 21. Dezember 1988 verurteilt worden war. Er hatte erst am Dienstag eine zweite Berufung zurückgezogen und damit einen Teil der Angehörigen enttäuscht, die sich von einer Neuauflage des Verfahrens neue Informationen zu den Hintergründen des Verbrechens erhofft hatten. Denn an der Schuld Megrahis hatte es stets Zweifel gegeben.
Steckte Iran hinter dem Anschlag?
So tauchte etwa die Theorie auf, dass Lockerbie die Vergeltung des Irans für den Abschuss eines iranischen Airbus mit 290 Menschen an Bord durch ein US-Kriegsschiff im Jahr 1988 war. Kritische Stimmen hatten sogar gemutmaßt, dass auf Megrahi Druck ausgeübt worden sein könnte, um einen neuerlichen Prozess zu verhindern. Dass eine Berufung überhaupt möglich war, lag an dem Urteil einer Untersuchungskommission. Diese hatte Zweifel an einigen Beweisen geäußert, die 2001 zu Megrahis Verurteilung geführt hatten.
Libyen hatte 2003 formell die Schuld für den Tod der 270 Menschen übernommen und Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen zugestimmt. Später verlautete aus der libyschen Führung, man habe die Verantwortung nur übernommen, um ein Ende der UNO-Sanktionen zu erreichen.
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