Angriff mit Drohne

Führer der Taliban in Pakistan bei Angriff getötet

Ausland
07.08.2009 11:30
Der Chef der pakistanischen Taliban, Baitullah Mehsud, ist nach Angaben der radikal-islamischen Aufständischen tot. Kommandant Kafayat Ullah erklärte der Nachrichtenagentur AP am Freitag, Mehsud und dessen zweite Ehefrau seien am Mittwoch bei einem US-Raketenangriff in Süd-Waziristan getötet worden. Der Gründer der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), der Taliban-Bewegung Pakistans, sei noch am selben Tag in einer kleinen Siedlung namens Nargosey, die knapp einen Kilometer vom Ort des Angriffs vom Mittwoch entfernt liegt, beerdigt worden, hieß es aus Geheimdienstkreisen. Sein Nachfolger sollte laut Ankündigung nach dem Freitagsgebet bekanntgegeben werden.

Zwei pakistanische Geheimdienstmitarbeiter, die anonym bleiben wollten, sagten, sie hätten mit Zeugen gesprochen, die an Mehsuds Beerdigung teilgenommen hätten. Innenminister Rehman Malik sagte, nach ersten Erkenntnissen seien neben Mehsud eine seiner Ehefrauen, sein Schwager sowie sieben Leibwächter getötet worden. Eine endgültige Bestätigung gebe es aber noch nicht. Laut Sicherheitskreisen kam auch einer von Mehsuds Brüdern um. Außenminister Shah Mahmood Qureshi sagte in Islamabad, Behördenvertreter wollten zum Ort des Raketenangriffs reisen, um die Hinweise zu überprüfen.

US-Spezialisten skeptisch
US-Spezialisten spekulierten, es gebe Grund zu der Annahme, dass Mehsud, dessen zweite Frau bei dem Angriff am Mittwoch ums Leben kam, ebenfalls tot sei. Es gebe derzeit aber keine Bestätigung dafür. Taliban-Anführer wurden schon häufiger für tot erklärt, tauchten dann aber kurz darauf wieder auf. Einige Medien berichteten unter Berufung auf nicht näher benannte Taliban-Kreise, Mehsud sei lediglich verwundet worden. "Wir kennen Berichte, nach denen Baitullah Mehsud getötet wurde", sagte Präsidialamtssprecher Robert Gibbs am Freitag in Washington. "Wir können aber nicht bestätigen, dass er tot ist." 

Wichtigster Staatsfeind Pakistans
Mehsud galt als wichtigster Staatsfeind der pakistanischen Regierung, die ihn unter anderem für den Mord an Ex-Premierministerin Benazir Bhutto verantwortlich machte. Mehsud hatte eine Beteiligung an der Tat bestritten. Seine Anhänger haben allerdings zahlreiche Anschläge in Pakistan verübt. Mehsud hatte Extremistengruppen in der TTP vereint. Die US-Regierung hatte fünf Millionen Dollar Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung Mehsuds führen. Zur Begründung hatte es geheißen, Mehsud habe auf der afghanischen Seite der Grenze Angriffe auf US-Truppen ausgeführt. Der TTP-Chef unterhalte zudem Verbindungen zum Terrornetz Al-Kaida. Die pakistanische Regierung hatte 50 Millionen Rupien (410.000 Euro) ausgelobt.

Die USA greifen im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan immer wieder Verstecke von Extremisten mit unbemannten Flugzeugen an. Die pakistanischen Taliban waren in den vergangenen Monaten bereits durch die Armeeoffensive gegen die Aufständischen im nordpakistanischen Swat-Tal geschwächt worden.

Diplomaten werteten den mutmaßlichen Tod Mehsuds als weiteren großen Erfolg für die Regierung in Islamabad. Der ehemalige Sicherheitschef in den pakistanischen Stammesgebieten, Mehmood Shah, sprach von einem herben Rückschlag für die Taliban. "Er ist der Mann, der die Taliban wirklich organisiert, ihre Einheit bewahrt und mit viel strategischem Denken ihre Planungen nach vorn getrieben hat." Viele Diplomaten bezweifeln allerdings, dass Mehsuds Tod den westlichen Truppen im Nachbarland Afghanistan im Kampf gegen die Taliban weiterhelfen werde. Mehsuds Fokus habe zu stark auf der Bekämpfung der pakistanischen Regierung gelegen.

"Ein anderer wird kommen und seinen Platz einnehmen"
Karin von Hippel, Sicherheitsexpertin am Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington, sagte: "Ein anderer wird kommen und seinen Platz ziemlich schnell einnehmen." Unter den pakistanischen Taliban gebe es mehr als 40 Milizenführer und ihre Beziehungen zu den Taliban in Afghanistan lägen zum Teil im Dunkeln. "Ich bin mir nicht sicher, ob es eine sehr gute Verständigung zwischen den in Pakistan operierenden Gruppen und den Netzwerken jenseits der Grenze in Afghanistan gibt", sagte von Hippel. Die Anführer mehrerer Taliban-Gruppen sollen noch für Freitag eine Schura (Ratssitzung) in Waziristan geplant haben. Spekulationen zufolge könnte dort ein Nachfolger für Mehsud gewählt werden. Als Kandidaten gelten die Extremisten Hakimullah Mehsud, Maulana Azmatullah und Wali-ur-Rehman.

Pakistans Innenminister Malik sagte, die Militäroperationen in Süd-Waziristan würden fortgesetzt, bis "Baitullah Mehsuds Gruppe für immer eliminiert ist". Malik rief die Taliban dazu auf, den Pfad der Gewalt zu verlassen: "Ihre Tage sind gezählt."

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