Weniger Ziviltote
“Erfolgreicher Strategiewechsel” der NATO
Die NATO hatte nach scharfer Kritik an Luftangriffen, bei denen Dutzende Zivilisten ums Leben gekommen waren, im Juni einen Strategiewechsel angekündigt. Der neue ISAF-Kommandeur, US-General Stanley McChrystal, erklärte bei seinem Amtsantritt vor eineinhalb Monaten: "Das afghanische Volk steht im Mittelpunkt unserer Mission. Wir müssen es vor jeglicher Form von Gewalt schützen." Konkret habe McChrystal die Regeln für die Unterstützung der Bodentruppen durch Kampfflugzeuge verschärft, erklärte NATO-Sprecher Appathurai am Mittwoch. Zudem würden "kulturell sensible" Einsätze wie etwa Hausdurchsuchungen wann immer möglich von afghanischen Soldaten ausgeführt.
Luftangriffe deutlich eingeschränkt
"Trotz der zuletzt sehr hohen Opferzahlen unter den NATO-Soldaten haben wir an der Beschränkung der Luftangriffe festgehalten", betonte Appathurai. Das bedeute aber nicht, dass der Verzicht auf Luftangriffe die eigenen Verluste erhöht habe. Die meisten NATO-Soldaten kämen bei Anschlägen mit Sprengsätzen ums Leben.Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP kamen in diesem Jahr bislang 453 Zivilpersonen bei Übergriffen von Aufständischen in Afghanistan ums Leben. Ferner wurden 199 Zivilpersonen bei Angriffen afghanischer oder internationaler Truppen getötet. Die Zahlen basieren auf Angaben afghanischer und internationaler Beamter vor Ort.
Taliban-Regeln nur leere Phrasen
Die in Afghanistan kursierende Broschüre "Taliban-Regeln und Vorschriften 2009" sei vermutlich im Mai veröffentlicht worden, erklärte Brigadegeneral Eric Tremblay in Kabul. Die Publikation plädiere für eine Einschränkung von Selbstmordanschlägen, die jedoch weiterhin an der Tagesordnung seien. Tremblay zufolge wurden allein in diesem Jahr mindestens 90 Selbstmordanschläge in Afghanistan ausgeführt, und mindestens 40 Prozent der Opfer waren Zivilpersonen. Hinzu komme, dass die Taliban häufig Kinder ohne deren Wissen als Selbstmordattentäter einsetzten. Auch seien in den vergangenen sechs Monaten etwa 40 Schulen zerstört worden.
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