"Habe keine Angst"

Zelaya will weiter an der Grenze ausharren

Ausland
26.07.2009 12:17
Der gestürzte honduranische Präsident Manuel Zelaya steht weiterhin an der Grenze seines Heimatlandes. Nach einer kurzzeitigen symbolischen Rückkehr nach Honduras ließ sich Zelaya am Samstag auf nicaraguanischer Seite der Grenzlinie nieder und kündigte an, dort ein Camp zu errichten. "Wir werden standhalten", erklärte er vor rund 100 Anhängern. "Heute werden wir unser Lager aufschlagen, mit Wasser und Nahrung", sagte Zelaya. Er forderte, dass seiner Familie ein Treffen mit ihm erlaubt werde. Seine Ehefrau Xiomara Castro sagte dem Sender CNN am Telefon, sie sei auf dem Weg zur Grenze von Polizei und Soldaten gestoppt worden.

Zelaya war am Samstag erneut an die Grenze gefahren, nachdem er sie bereits am Vortag kurz zu Fuß überschritten hatte. Vor Tausenden jubelnden Anhängern hatte er am Freitagabend erklärt, er werde sein Amt zurückfordern. Dann ging er wenige Schritte auf die Grenzbeamten zu und sprach mit Militärvertretern. Nach einer knappen halben Stunde kehrte er nach Nicaragua zurück.

"Habe keine Angst, bin aber auch nicht verrückt"
Er wolle Verhandlungen über eine Beilegung der Krise eine weitere Chance geben, betonte Zelaya. "Ich habe keine Angst, aber ich bin auch nicht verrückt", sagte der linksgerichtete Politiker dem venezolanischen Fernsehsender Telesur. Hätte er darauf bestanden weiterzugehen, hätte ein Blutbad die Folge sein können. Das aber habe er vermeiden wollen. In der rund zehn Kilometer entfernten Stadt El Paraiso wurde am Samstag ein 25-jähriger Anhänger Zelayas tot aufgefunden, der offenbar von honduranischen Polizisten geschlagen worden war. Augenzeugen zufolge wurde der aus Tegucigalpa angereiste Mann festgenommen, als er an den Kundgebungen für Zelaya teilnehmen hatte wollen.

Demonstrationen für und gegen Zelaya
Kurz vor dem Grenzübertritt Zelayas war es zu Zusammenstößen zwischen seinen wartenden Anhängern und den Sicherheitskräften gekommen. Die Übergangsregierung in Tegucigalpa hatte die 1.000 Kilometer lange Grenze zu Nicaragua zur Sperrzone erklärt und in ihrem unmittelbaren Bereich von Freitagmittag bis Samstag früh ein Ausgangsverbot verhängt. Die Sicherheitskräfte in der Grenzstadt El Paraiso setzten Tränengas gegen mehrere tausend Menschen ein. In San Pedro im Norden von Honduras gingen mehrere tausend Gegner des gestürzten Staatschefs auf die Straße. Auf Plakaten war zu lesen "Zelaya kann zurückkehren, aber ins Gefängnis".

Putschregierung bekräftigt Verhaftungsdrohung
Die Übergangsregierung bekräftigte, sie werde Zelaya im Falle seiner Rückkehr nach Honduras festnehmen lassen. Am Grenzübergang schritt sie aber nicht ein, da sich Zelaya praktisch noch im Niemandsland befunden hatte, wie der stellvertretende Sicherheitsminister Mario Perdomo erklärte. Übergangspräsident Roberto Micheletti kritisierte die Aktion jedoch als "unverantwortlich und schlecht durchdacht".

Clinton kritisiert Zelayas Aktion
Auch US-Außenministerin Hillary Clinton kritisierte Zelayas Grenzübertritt. Der Schritt werde nicht dazu beitragen, die demokratische und verfassungsmäßige Ordnung in dem mittelamerikanischen Land wiederherzustellen, sagte Clinton in Washington. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) forderte Zelaya auf, nicht ohne ein Abkommen zur Lösung der politischen Krise in seine Heimat zurückzukehren, da es sonst zu Blutvergießen kommen könnte.

Rückkehrversuch bereits am 5. Juli
Zelaya hatte schon am 5. Juli versucht, nach Honduras zurückzukehren. Die Streitkräfte verhinderten dies jedoch, indem sie vor der Landung seines Flugzeugs in Tegucigalpa die Landebahn blockierten. Daraufhin kam es zu Zusammenstößen mit Anhängern Zelayas, bei denen mindestens ein Demonstrant ums Leben kam.

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