Mammutprozess
Türkei: 56 Personen stehen vor Gericht
Ziel von "Ergenekon" war es laut Staatsanwaltschaft, die Türkei durch Attentate und Anschläge ins Chaos zu stürzen und so einen Militärputsch gegen die Regierung zu provozieren. Bereits seit dem vergangenen Herbst läuft ein Prozess gegen 86 mutmaßliche Mitglieder der Organisation. Im März wurde Anklage gegen die 56 Verdächtigen erhoben, die jetzt vor Gericht stehen. Beide Verfahren könnten bald zusammengefasst werden. Am Montag gab die Staatsanwaltschaft in Istanbul bekannt, dass gegen 52 weitere Verdächtige eine detaillierte Anklageschrift ausgearbeitet worden sei. Sie müsse aber noch von einem Gericht angenommen werden. Ein Prozesstermin für diese dritte Gruppe steht noch nicht fest.
Die türkische Opposition wirft der islamisch orientierten Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vor, die "Ergenekon"-Ermittlungen als Vorwand zu nutzen, um gegen politische Gegner in Politik, Medien und Militär vorzugehen.
Ex-Generäle weisen Vorwürfe zurück
Die beiden Ex-Generäle Ahmet Hursit Tolon (Bildmitte) und Mehmet Sener Eruygur sind die ranghöchsten Militärs, die in dem Fall vor Gericht stehen. Beide haben die Vorwürfe - Bildung und Leitung einer terroristischen Vereinigung zum Sturz der Regierung - zurückgewiesen. Die türkische Armee trat in der Vergangenheit immer als Hüterin der kemalistisch-säkularen Grundprinzipien der Republik auf. 1960, 1971, 1980 und 1997 griff sie in die Politik ein. 1960 unter General Cemal Gürsel und 1980 unter General Kenan Evren übernahm die Armee direkt die Macht.
Die Ermittlungen zu "Ergenekon" begannen 2007, nachdem die Polizei im Haus eines Offiziers im Ruhestand ein Waffenlager entdeckt hatte. Der Gruppierung werden Anschläge auf eine Zeitung und ein Gericht vorgeworfen. Außerdem soll sie die Ermordung von Premier Erdogan und von Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk geplant haben. Pamuk wurde einst wegen Beleidigung des Türkentums strafrechtlich verfolgt, Anfang 2006 wurde das Verfahren schließlich eingestellt.
Der Name "Ergenekon" ist von einem legendären Tal in Zentralasien abgeleitet, das als Wiege des Türkentums gilt.
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