Nach 12 Jahren

Chef der iranischen Atombehörde tritt ab

Ausland
16.07.2009 11:42
Der Chef der iranischen Atombehörde AEOI, Gholamreza Aghazadeh, ist überraschend zurückgetreten. Präsident Mahmoud Ahmadinejad habe seinen Rücktritt angenommen, sagte Aghazadeh der iranischen Nachrichtenagentur ISNA am Donnerstag. Er habe sein Rücktrittsschreiben bereits vor drei Wochen dem Präsidenten übergeben. Aghazadeh nannte keine Gründe für seinen Schritt. Beobachter vermuteten jedoch einen Zusammenhang mit der umstrittenen Präsidentenwahl vom 12. Juni. Aghazadeh gilt als Vertrauter von Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi, der nach offizieller Darstellung von Amtsinhaber Ahmadinejad geschlagen wurde. Die Nachfolge wurde bisher noch nicht entschieden.

Der 60-Jährige hat offenbar auch seinen Posten als Vizepräsident Ahmadinejads aufgegeben. Aghazadeh hatte in seinen zwölf Jahren als Behördenchef das international umstrittene iranische Atomprogramm vorangetrieben. Dazu gehören die Anreicherung von Uran und der Bau von technisch fortgeschrittenen Zentrifugen. Zuvor war Aghazadeh von 1985 bis 1997 Ölminister gewesen. Der Chef der iranischen Atombehörde ist für alle technischen Aspekte des umstrittenen Programms zuständig.

Neue Proteste nach Freitagsgebet?
Mit Spannung wird unterdessen im Iran das Freitagsgebet erwartet, das nach vier Wochen relativer Ruhe den Oppositionsprotesten gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl neuen Schwung verleihen könnte. Der unterlegene Präsidentschaftskandidat Moussavi kündigte am Donnerstag offiziell seine Teilnahme an. Die Predigt hält der iranische Ex-Präsident Akbar Hashemi Rafsanjani, einer der einflussreichsten Kritiker der Regierung.

Moussavi will "Aufruf seiner Mitstreiter" folgen
Er fühle sich "in der Pflicht", dem Aufruf seiner Mitstreiter zu folgen, die Freiheitsrechte zur verteidigen und werde daher das gemeinsame Gebet besuchen, erklärte Moussavi auf seiner Website "Ghalamnews". Es wäre der erste öffentliche Auftritt des Oppositionsführers seit mehreren Wochen und zugleich die erste größere Machtdemonstration der Opposition seit dem 20. Juni.

Was sagt Rafsanjani?
Moussavis Mentor, der 75-jährige Rafsanjani, wird indes zum ersten Mal seit gut eineinhalb Monaten wieder die Freitagspredigt halten. Rafsanjani ist Vorsitzender von zwei der mächtigsten Gremien der Islamischen Republik. Er leitet den Expertenrat, dem der oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, verantwortlich ist. Außerdem hat er den Vorsitz des Schlichtungsrates inne. Das Gremium vermittelt zwischen Regierung, Parlament und dem vom Klerus beherrschten Wächterrat.

Geheimdienst warnt vor Provokationen
Angesichts von Internet-Aufrufen in iranischen Oppositionskreisen, möglichst zahlreich zum Freitagsgebet zu erscheinen, forderte Geheimdienstminister Gholam-Hossein Mohseni-Ejeie die "intelligenten Menschen" zur "Wachsamkeit" auf, damit das Freitagsgebet nicht zu einer "Gelegenheit unerwünschter Ereignisse" werde. Das konservative Blatt "Kayhan" warnte unter Berufung auf "glaubwürdige Informationen", dass "einige provozieren und Zusammenstöße anzetteln wollen".

Experte: Iran kurz vor der Atombombe
Am Mittwoch hat ein Bericht des deutschen Magazins "stern" für Aufsehen gesorgt, wonach der Iran laut deutschen Geheimdienstinformationen in wenigen Monaten eine Atombombe testen könnte (siehe Story in der Infobox).

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