Prozess in Paris

Urteile für Barbarenbande verkündet

Ausland
11.07.2009 17:41
Im Prozess um die Entführung und brutale Ermordung eines jungen Juden in Paris ist der Anführer der sogenannten Barbarenbande, Youssouf Fofana (im Bild rechts), zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Pariser Gericht verurteilte zudem 24 Komplizen des Bandenchefs - darunter acht Frauen - zu Haftstrafen zwischen einem halben Jahr und 18 Jahren. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Die Folterung und Ermordung des 23-jährigen Juden Ilan Halimi hatte weit über die Grenzen Frankreichs hinaus für Entsetzen gesorgt.

Von seiner lebenslangen Haft soll der 28-jährige Bandenanführer Fofana laut Gerichtsurteil 22 Jahre lang in Sicherheitsverwahrung verbringen. Der aus der Elfenbeinküste stammende Bandenchef hatte während des Prozesses zugegeben, den von seiner Bande entführten Juden Halimi tödliche Verletzungen beigebracht zu haben.

Halimi-Anwalt fordert Berufung
Der Anwalt der Familie Halimi forderte die Staatsanwaltschaft auf, gegen die Urteile für einige Bandenmitglieder Berufung einzulegen. "Ich bedaure es, dass das Gericht ein besonderes Entgegenkommen gegenüber denen gezeigt hat, die Youssouf Fofana geholfen oder ihm zugesehen haben", erklärte Francis Szpiner (im Bild links). Halimis Familie falle es schwer, die Urteile zu akzeptieren. Szpiner nannte konkret die Haftstrafen zwischen zehn und 15 Jahren für sechs Bewacher Halimis sowie die neunjährige Haftstrafe für eine zur Tatzeit 17-Jährige, die Halimi in die Falle der Entführer gelockt hatte. Szpiner rief die französische Justizministerin Michele Alliot-Marie auf, sich für ein Wiederaufrollen des Prozesses stark zu machen.

Fofanas Truppe, die sich selbst "Bande der Barbaren" nannte, hatte den 23-jährigen Telefonverkäufer Halimi im Jänner 2006 entführt, um von dessen Familie Lösegeld zu erpressen. Mitangeklagte hatten ausgesagt, Fofana habe gezielt einen Juden entführen wollen, weil diese für gewöhnlich "massenweise Kohle" hätten. Der Bandenchef forderte von Halimis Eltern 450.000 Euro Lösegeld, die Polizei riet aber von einer Zahlung ab.

Schwerste Misshandlungen während Entführung
Um den Druck zu erhöhen, misshandelten die Entführer ihr Opfer während dessen dreiwöchiger Gefangenschaft und schickten Audio- und Videoaufnahmen an die Familie. Halimi wurde mit Schlägen, brennenden Zigaretten und Messern gequält. Selbst einige Bewacher konnten die Misshandlungen schließlich nicht mehr mitansehen und wurden durch andere Bandenmitglieder ersetzt. Mit dem Tode ringend wurde das Entführungsopfer schließlich nackt und geknebelt an einer Bahnstrecke in Essonne im Großraum Paris gefunden. Auf dem Weg ins Krankenhaus erlag Halimi seinen Verletzungen.

Fofana: "Allah wird siegen"
Die Anklage hatte den Bandenmitgliedern antisemitische Motive vorgeworfen. Die grausame Tat hatte die französische Gesellschaft schockiert. Fofana zeigte außerdem keinerlei Reue. Zu Prozessbeginn vor zweieinhalb Monaten betrat er lächelnd den Gerichtssaal und rief mit gen Himmel gereckter Faust "Allah wird siegen". Bei der Überprüfung der Personendaten nannte er als Namen "afrikanischer Barbar" und als Geburtsdatum den 13. Februar 2006, den Tag, an dem Halimi leblos gefunden wurde. Nach der Urteilsverkündung klatschte Fofana und streckte beide Daumen in die Höhe.

Kurz nach der Urteilsverkündung kam es zu einer Schlägerei zwischen mehreren jüdischen Jugendlichen und einem Anwalt der Verteidigung. Die Polizei musste eingreifen. Zwischen einigen Angeklagten und Polizisten gab es ebenfalls ein kurzes Handgemenge.

Öffentlichkeit ausgeschlossen
Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil zwei der Angeklagten zur Tatzeit minderjährig waren. Halimis Mutter hatte eine öffentliche Verhandlung verlangt. Sie warf der französischen Polizei vor, den antisemitischen Hintergrund der Tat zu lange ignoriert zu haben. Der Fall schürte die Angst vor wachsendem Antisemitismus in Frankreich.

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