Sex-Mord in Italien
Amanda Knox beteuert vor Gericht ihre Unschuld
Auf diesen 12. Juni hat sich Amanda Knox mit Akribie und Eifer vorbereitet. Nichts scheint an ihrem Auftritt im Zeugenstand nicht zu stimmen. Die Haare mit einem blauen Band zu einem züchtigen Zopf nach hinten gebunden, erscheint sie schüchtern lächelnd, fast ängstlich im Gerichtssaal. Geplänkel mit Richter und Anwälten wie an vorangegangen Prozesstagen gibt es nicht. Amanda trägt eine weiße Bluse und helle Hosen. Die Farbe der Unschuld.
Aussage auf Italienisch
Fernsehkameras dürfen die ersten fünf Minuten der mit Spannung erwarteten Aussage filmen. Die junge Frau aus Seattle blickt ernst, ein Herpesbläschen auf der Oberlippe nimmt ein wenig von ihrer Adrettheit. Die Aussage macht sie auf Italienisch. Sagt, sie sei unschuldig.
"Geständnis wurde herausgepresst"
Die Polizei habe ihr beim Verhör das Geständnis herausgepresst. Sie sei damals verwirrt gewesen und unter dem Einfluss von Marihuana gestanden. „Alles, was ich beim Verhör gesagt habe, habe ich unter Druck gesagt. Alle Äußerungen über Sex wurden mir eingeredet“, so die 21-Jährige. „Ich war so verwirrt, dass ich mir eingeredet habe, dass ich möglicherweise traumatisiert war“.
Auf die Frage, ob sie von der Polizei geschlagen wurde, antwortet sie mit einem „Ja“. Außerdem bezichtigt sie die Polizei, sie gezwungen zu haben, den Mord zuerst ihrem damaligen Chef Patrick L. in die Schuhe zu schieben, in dessen Bar sie gearbeitet hatte. Die Aussagen der Studentin hatten den Kongolesen für zwei Wochen ins Gefängnis gebracht, bis er aus Mangel an Beweisen freigelassen werden musste. Er fordert in dem Prozess eine Entschädigung für die Zeit in Haft.
Staatsanwaltschaft glaubt an Sex-Mord
Die junge Britin Meredith Kercher war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wohnung gefunden worden, die sie gemeinsam mit der US-Studentin und zwei Italienerinnen in Perugia bewohnte. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde sie getötet, weil sie sich weigerte, bei Sexspielen mitzumachen. Laut Anklage soll die US-Studentin ihre Mitbewohnerin erstochen haben, während ihr italienischer Freund und ein Einwanderer aus der Elfenbeinküste sie festhielten.
Der Ivorer Rudy Guede wurde wegen seiner Beteiligung an dem Mord bereits im vergangenen Oktober zu 30 Jahren Haft verurteilt. Italienische Medien zitierten ihn mit dem aus seiner Zelle geäußerten Appell: "Du warst dabei, Amanda, sag die Wahrheit!"
Amanda und ihrem italienischen Freund drohen lebenslange Haftstrafen, sollten sie des grausamen Mordes für schuldig befunden werden. Die Eltern der getöteten Britin fordern von den mutmaßlichen Mördern Schmerzensgeld in Höhe von 30 Millionen Euro.
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