Tödliche Schüsse

Schießerei in Washingtoner Holocaust-Museum

Ausland
12.06.2009 16:05
In der US-Hauptstadt Washington hat sich am Mittwoch (Ortszeit) ein schreckliches Attentat ereignet: Ein 88-jähriger Rechtsextremist hat im Holocaust-Museum der Stadt ohne Vorwarnung das Feuer eröffnet und einen Sicherheitsbeamten getötet. Bei dem folgenden Schusswechsel mit anderen Wachleuten wurde der Täter dann selbst getroffen und schwer verletzt. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann die Tat allein geplant hat, er gilt als "eingefleischter" Rechtsextremist. US-Präsident Obama zeigte sich erschüttert und erklärte, die Tat im größten Holocaust-Museum weltweit zeige, "dass wir wachsam sein müssen gegen Antisemitismus und Vorurteile" jeder Art.

Der Schütze, dessen Zustand der Washingtoner Bürgermeister Adrian Fenty als "kritisch" beschrieb, wurde von der Polizei als James von Brunn identifiziert. Er habe bereits in der Vergangenheit als Antisemit und Rassist von sich reden gemacht, sei aber anscheinend seit längerem nicht mehr "aktiv" gewesen.

Lebenslange Haft oder Todesstrafe 
Die Justizbehörden haben eine Anklage wegen Mordes gegen den 88-Jährigen angekündigt. Bei einer Verurteilung drohen ihm eine lebenslange Haft ohne Chance auf Straferlass oder sogar die Todesstrafe, wie Staatsanwalt Channing Phillips mitteilte. 

Von Brunn hatte das Holocaust-Museum am Mittwoch gegen 13 Uhr Ortszeit mit einem Gewehr bewaffnet betreten. Er habe dann am Eingang sofort auf den Sicherheitsbeamten geschossen. Zwei weitere Wachleute hätten das Feuer erwidert und damit ein weiteres Vordringen des Schützen verhindert. Museumsbesucher in der Nähe seien in Panik davongerannt. Der getötete Wachmann war ein 39-Jähriger mit dunkler Hautfarbe, gab die Polizei bekannt.

Das Auto des Mannes wurde kurz nach der Tat in der Nähe des Museums gefunden und sicherheitshalber auf Sprengstoff untersucht. Das Museum blieb vorerst geschlossen.

Täter seit den Achtzigern amtsbekannt 
Der Verdächtige betreibt eine rassistische Website und veröffentlichte bereits ein Buch mit antisemitischen Inhalten. Im Internet leugnete er den Holocaust. Aber nicht nur deshalb war von Brunn amtsbekannt: 1983 war er wegen versuchter Entführung von Mitarbeitern der US-Notenbank verurteilt worden und verbüßte deswegen eine mehr als sechsjährige Haftstrafe. Er habe das einer "Neger-Geschworenenjury" und einem "Juden-Richter" zu verdanken, hieß es dazu später auf seiner Webseite.

Bei seiner Festnahme hatte von Brunn damals zwei Schusswaffen und ein Messer bei sich. Die Ermittler untersuchen jetzt, wie der Verdächtige an das Gewehr gelangte, mit dem er um sich schoss. Verurteilte Straftäter dürfen nach US-Recht keine Waffen kaufen.

Größtes Museum seiner Art
Das amerikanische Holocaust-Museum inmitten der US-Hauptstadt Washington ist allen Opfern des Nationalsozialismus gewidmet und das größte seiner Art weltweit. Es gilt als Zentrum für die Forschung über das dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts. In den gut 15 Jahren seines Bestehens strömten mehr als 28 Millionen Besucher durch die Ausstellungsräume, die fast so groß sind wie vier Fußballfelder. Etwa jeder dritte Museumsgast war ein Schüler, rund jeder achte stammte aus dem Ausland. Bau, Ausstattung und Exponate des 168 Millionen Dollar (119,1 Mio. Euro) teuren Ausstellungsgebäudes wurden durch mehr als 200.000 private Spenden finanziert. Knapp 400 Angestellte arbeiten für das Museum, dessen Jahresbudget etwa 80 Millionen Dollar beträgt.

Die Einrichtung verfügt auch über ein einzigartiges Archiv. Dazu zählen 49 Millionen Seiten an Dokumenten, hunderttausende Fotos, eine Bibliothek mit 82.500 Werken und 51.000 Berichten von Zeitzeugen sowie ein Register mit Angaben zu knapp 200.000 Holocaust-Überlebenden. Das im Museum beherbergte Film- und Video-Archiv von Regisseur Steven Spielberg umfasst knapp 1.000 Stunden historisches Material. Herz des Museums ist eine Dauerausstellung, in der etwa der "Turm der Gesichter" zu sehen ist - eine drei Stockwerke hohe Sammlung von rund 1.000 Fotos. Sie dokumentieren das jüdische Leben im litauischen Eisiskes, bevor dort die Nazis 1941 tausende Juden niedermetzelten.

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