Society-Prozess

Promi-Banker im Latex-Anzug ermordet

Ausland
08.06.2009 16:18
Sex, Geld und Blut: Das Verbrechen an dem Promi-Banker Edouard Stern (Bild) birgt reichlich Schlagzeilenpotenzial für die Klatschpresse. Vier Jahre nach seinem skandalumwobenen Tod muss sich dessen Ex-Geliebte jetzt vor dem Genfer Geschworenengericht verantworten. Der 50-Jährige wurde am 1. März 2005 gefesselt und nur mit einem Latex-Anzug bekleidet tot in seiner Wohnung im Genfer Stadtzentrum aufgefunden. Er war am Abend zuvor offenbar während sadomasochistischer Sexspiele von vier Schüssen getroffen worden, zwei davon in den Kopf.

Die 40-jährige Geliebte ist der vorsätzlichen Tötung angeklagt; sie ist geständig. Das Opfer, das ursprünglich aus Frankreich stammt, stand auf der Liste der reichsten Franzosen auf Platz 38. Der Mann war obendrein eine bekannte Figur in der internationalen Hochfinanz.

Nach wilden Spekulationen über Täterschaft und Motiv wurde die langjährige Geliebte gut zwei Wohen nach dem Tod des Bankiers in Genf verhaftet. Die damals 36 Jahre alte Französin, die sich mit Stern wegen Geldangelegenheiten gestritten hatte, legte rasch ein Geständnis ab. Sie war im Besitz des einzigen fehlenden Schlüssels für die Genfer Wohnung des Bankiers. Auf ihren Hinweis wurden wenig später drei Schusswaffen aus dem Genfersee bei Montreux geborgen.

Streit um eine Million Dollar als Motiv?
Der Untersuchungsrichter vermutet einen Rechtsstreit um eine Million Dollar als Tatmotiv. Stern hatte diese Summe auf ein Bankkonto in der Schweiz überwiesen, auf das die Geliebte Zugriff hatte, dieses aber später sperren lassen. Der Genfer Staranwalt Marc Bonnant, der die Interessen der Bankiersfamilie vertritt, hatte die mutmaßliche Täterin bei einer Anhörung vor der Genfer Anklagekammer als "durchtriebene Prostituierte" bezeichnet, die es auf das Geld des ihr verfallenen Bankiers abgesehen habe. Die Verteidigung stellte die Frau demgegenüber als Opfer dar, das die sexuellen Fantasien des Geliebten habe befriedigen müssen. Die Verteidigung will auf Totschlag plädieren.

Die Angeklagte leidet nach Darstellung ihres Anwalts unter schweren Depressionen. Im April 2008 schnitt sie sich in der Untersuchungshaft mit einer Rasierklinge die Pulsadern auf, konnte aber gerettet werden. Die Frau wurde psychiatrisch begutachtet. Der Prozess ist auf acht Verhandlungstage angesetzt. Dutzende von Zeugen, darunter bekannte französische Persönlichkeiten, sind vorgeladen.

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