Versöhnliche Töne
“Negative Vorurteile über Islam bekämpfen”
"Ich bin hierhergekommen, um mich für einen Neubeginn zwischen den Muslimen und den USA einzusetzen", sagte Obama vor den etwa 3.000 geladenen Gästen im Großen Saal der Universität. Der Neuanfang könne auch in seinem Land Ängste auslösen, er habe aber Vertrauen in den Fortschritt der Menschheit. Die USA und der Islam schlössen sich nicht gegenseitig aus, vielmehr hätten sie gemeinsame Grundsätze wie Gerechtigkeit, Toleranz und die Würde jedes einzelnen Menschen.
"Friede sei mit Euch" als Begrüßung
Ein Wandel in den Beziehungen zwischen dem Westen und der islamischen Welt könne aber nicht über Nacht kommen, so Obama, der seine Zuhörer auf Arabisch mit den Worten "Friede sei mit Euch" grüßte. Notwendig sei eine neue Offenheit und die Bereitschaft, sich gegenseitig zuzuhören, voneinander zu lernen und der Wahrheit verpflichtet zu bleiben. In diesem Zusammenhang zitierte der US-Präsident eine entsprechende Stelle aus dem Koran, den er mehrmals als "der heilige Koran" bezeichnete, und erntete dafür lauten Applaus.
Bilder von Obamas Rede findest du in der Infobox!
Beitrag des Islam für die Zivilisation gewürdigt
Zudem würdigte Obama den enormen Beitrag des Islam für die Zivilisation, darunter vor allem die Jahrhunderte alten Errungenschaften des Islam in den Wissenschaften. Zugleich räumte er ein, dass der Westen den Muslimen viel Unrecht getan habe. Im Kolonialismus seien Rechte verweigert worden. Später im Kalten Krieg seien die Muslime dann als Instrumente der Stellvertreterkriege zwischen den Weltmächten missbraucht worden.
USA keine "eigennützige Imperialmacht"
Der US-Präsident warnte aber auch die islamische Welt vor "groben Stereotypen" über die USA. Die USA seien keineswegs eine "eigennützige Imperialmacht", sagte er. Amerika sei eine der "großartigsten Quellen des Fortschritts in der Welt", die es je gegeben habe. Die USA seien dem Ideal der Gleichheit der Menschen verpflichtet, für das Amerika in den Jahrhunderten viel gekämpft und Kriege geführt habe. Die Gültigkeit der amerikanischen Beziehungen zeige sich in der Tatsache, dass ein Afro-Amerikaner mit dem Namen Barack Hussein Obama zum Präsidenten gewählt werden konnte.
Fast sieben Millionen Muslime in den USA
Dieser "amerikanische Traum" der unbegrenzten Möglichkeiten gelte auch für die fast sieben Millionen Muslime in den USA. Dabei strich er konkret das Recht von Frauen und Mädchen heraus, den Hijab (islamisches Kopftuch) zu tragen. Die US-Regierung setze sich dafür ein, dass jene bestraft würden, die dieses Recht leugneten, sagte Obama unter Applaus des Publikums.
Den vollständigen Text (englisch) der Rede Obamas findest du in der Infobox!
Extremismus muss weiter bekämpft werden
Weiters erklärte Obama, dass der Extremismus in der Welt weiter bekämpft werden muss. Es dürfe keinen Zweifel daran geben, dass die USA sich überall gegen ihre Feinde wehren würden. Das Terrornetzwerk Al Kaida habe 3.000 Menschen bei den Terroranschlägen in den USA getötet und müsse daher bekämpft werden. "Wir wollen unsere Truppen nicht in Afghanistan behalten, wir wollen dort keine Militärbasen." Niemand sollte jedoch Extremismus tolerieren. "Islam ist nicht Teil des Problems im Kampf gegen den gewaltsamen Extremismus, er ist ein wichtiger Teil, den Frieden voranzubringen", betonte der Präsident. Er erinnerte erneut an seine Aussage in Ankara: Die USA befänden sich "nicht im Krieg mit dem Islam". Und er wisse auch, dass die Probleme in Afghanistan und Pakistan nicht allein mit Waffen gelöst werden könnten.
"Lage der Palästinenser ist nicht hinnehmbar"
Obama hat in Kairo die Rechte der Palästinenser betont und erneut einen Stopp des israelischen Siedlungsbaus gefordert. Es gebe keine Alternative zu einer Zwei-Staaten-Lösung im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Er erinnerte an das Elend in den palästinensischen Flüchtlingslagern und die "täglichen Erniedrigungen", unter denen die Palästinenser in den besetzten Gebieten litten. "Es gibt keinen Zweifel: die Lage der Palästinenser ist nicht hinnehmbar."
Ein Video vom Besuch Obamas bei den Pyramiden findest du in der Infobox!
"Unzerstörbares" Bündnis der USA mit Israel
Niemand dürfe allerdings das Existenzrecht Israels anzweifeln, aber auch Israel müsse die Rechte der Palästinenser anerkennen, sagte Obama. Gefordert seien auch die arabischen Staaten, ihren Beitrag zum Friedensprozess zu leisten. Die USA könnten dem Nahen Osten keinen Frieden aufzwingen, betonte Obama. Er verwies auch auf das "unzerstörbare" Bündnis der USA mit Israel.
Obama will die islamistische Palästinenserorganisation Hamas in eine Lösung für den Nahostkonflikt einbeziehen. "Damit sie eine Rolle spielen kann bei der Erfüllung der Hoffnungen der Palästinenser, und damit das palästinensische Volk wieder geeint wird, muss Hamas die Gewalt beenden, frühere Vereinbarung respektieren und das Existenzrecht Israels anerkennen", sagte er. Gleichzeitig müsse Israel das "Existenzrecht Palästinas" anerkennen.
Vergleich mit Apartheid-Regime in Südafrika
Den Palästinensern riet er, mit friedlichen Mittel für ihre Rechte zu kämpfen. Er verglich ihre Situation mit der Lage der schwarzen Bevölkerung in Südafrika unter dem Apartheid-Regime. "Es ist kein Zeichen von Mut oder Macht, wenn man Raketen auf schlafende Kinder abschießt oder wenn man alte Frauen in einem Bus in die Luft sprengt", sagte Obama.
Wiederholt Zwei-Staaten-Lösung gefordert
Obama hatte in den vergangenen Wochen bei Treffen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wiederholt für eine Zwei-Staaten-Lösung geworben und Israel unmissverständlich zum Siedlungsstopp aufgefordert. Die neue israelische Regierung hat sich bisher nicht klar zu einer Zwei-Staaten-Lösung bekannt und bot bisher nur an, nicht genehmigte jüdische Siedlungen im Westjordanland zu räumen.
Dauerthemen Irak und Afghanistan
Der Krieg im Irak hat nach den Worten Obamas auch die Versäumnisse der US-Politik aufgezeigt. Auch wenn er glaube, dass der Irak ohne die Tyrannei von Saddam Hussein besser dran sei, habe der Krieg auch gezeigt, dass es wichtig sei, Diplomatie und internationalen Konsens zur Lösung von Problemen zu nutzen. Er betonte unter großem Beifall in der Universität, dass die USA ihren humanitären Prinzipien treublieben. Deswegen habe er Folter in jeder Form verboten. Er versicherte überdies, dass die USA ihre Truppen nicht auf Dauer in Afghanistan stationieren wollten.
Teheran zu Verhandlungen aufgerufen
Im Atomkonflikt mit dem Iran forderte Obama die Führung in Teheran zu Verhandlungen auf. Die USA seien auch im Atomkonflikt bereit, "ohne Vorbedingungen" voranzugehen. Der Iran solle das Recht zur zivilen Nutzung der Atomenergie haben. Ein regionales Wettrüsten wäre aber ein "höchstgefährlicher Weg", warnte Obama.
Mit seiner Rede richtete sich Obama demonstrativ an die rund zwei Milliarden Muslime in der Welt. Indem er Kairo dafür wählte, unterstrich der Präsident zugleich die Bedeutung, die er dem Nahen Osten und seinen Problemen zumisst. Obama will ein Bündnis muslimischer Regierungen schmieden, um mit ihrer Hilfe dem Nahost-Friedensprozess einen neuen Anschub zu geben und den Iran mit seinem Atomprogramm in Schach zu halten. Er selbst räumte allerdings vor seinem Auftritt in Kairo ein, dass es mehr als eine Rede brauchen werde, um die USA und die muslimische Welt auszusöhnen.
In der islamischen Welt ist die Rede Obamas vielfach als Zeichen einer veränderten Haltung Amerikas und einer neuen Nahost-Politik aufgenommen worden. Einige Stimmen mahnten aber, den Worten müssten nun auch Taten folgen. Unter Obamas Vorgänger George W. Bush war das Ansehen der USA in der islamischen Welt durch den Irak-Krieg, den Skandal um das US-Gefängnis Abu Ghraib im Irak sowie durch die Einrichtung des US-Gefangenlagers Guantanamo auf Kuba erheblich gesunken. Obama hatte zu Begie stellen zu wollen.
Bin Laden warnt vor Allianz mit Christen
Noch während der Rede von Obama hat Extremistenführer Osama bin Laden seine Drohung an die westliche Welt und an die USA im Speziellen erneuert. Der seit Jahren untergetauchte und international gesuchte Saudi-Araber warnte die Muslime in aller Welt vor einer Allianz mit den Christen. Die Äußerungen Bin Ladens stammten ursprünglich aus einer Audio-Botschaft, die der Nachrichtensender Al-Jazeera bereist am gestrigen Mittwoch gesendet hatte. Am Donnerstag wurde die gesamte Rede in einer Länge von rund 25 Minuten auf einer islamistischen Website publiziert. Die Muslime sollten sich auf einen "langen Kampf gegen die Ungläubigen" einstellen, so Bin Laden weiter. Bereits am Mittwoch waren Drohungen veröffentlicht worden, nach denen die Amerikaner sich darauf vorbereiten sollten, die Konsequenzen der Politik des Weißen Hauses zu tragen. Bush und Obama hätten Hass und Rachegelüste gesät.
Saudi-Arabiens Abdullah empfing Obama
Obama selbst wurde zum Beginn seiner Reise am Mittwochmittag in Saudi-Arabien von König Abdullah empfangen, wo er die "Weisheit" des Königs lobte. Dies sei zwar sein erster Besuch in dem Königreich, die "Weisheit und die Gnade" des saudi-arabischen Monarchen habe ihn jedoch bereits bei vorherigen Gesprächen beeindruckt, sagte Obama. Daher habe er es vor seinem Besuch in Ägypten als "sehr wichtig" erachtet, in das Ursprungsland des Islam zu reisen und König Abdallah um Rat zu fragen.
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