21.01.2004 13:51 |

Biertrinken & Physik

Forscher berechnet Physik des Biertrinkens

Biertrinken ist für Norbert Herrmann ein ernsthaftes Problem. Besonders dann, wenn die Dose in zwei Zügen leer sein soll. Der Wissenschaftler vom Institut für Angewandte Mathematik der Universität Hannover hat für sich die Physik des Alltags entdeckt. Er beschäftigt sich in Modellen und komplizierten Gleichungen mit Fragen, die auf der Straße liegen - manchmal sogar im wörtlichen Sinne.
So erregte er im vergangenen Jahr größeresAufsehen, als er sich mit der Verbesserung der Formel fürsRückwärtseinparken auseinander setzte. Einparken ineinem Zug in eine minimale Parklücke - was im Modell undauf dem Papier relativ einfache Mathematik war, stellte sich inder Praxis allerdings als größeres Problem heraus."In der Anwendung liegt die Schwierigkeit der Übertragungdes vereinfachten Modells", sagt der 60-Jährige. Mit anderenWorten: Selbst bei ihm kann es mal krachen.
 
"Je mehr wir forschen, desto mehr Problemeergeben sich"
Die Schwierigkeiten beim Autofahren ließenden Mathematiker aus Lehrte bei Hannover auch danach nicht los."Je mehr wir forschen, desto mehr Probleme ergeben sich", erzähltHerrmann, der sich sogar die Schnürsenkel nach einem physikalischenPrinzip bindet. Dass bei Glatteis das seitlichen Ausbrechen desAutos wegen fehlender Querreibung kaum zu verhindern sei, ergabeine für ihn einfache Berechnung. Aber auch hier steht Herrmannerst am Anfang seiner Überlegungen. "Wir wissen ja noch nichteinmal genau, mit welcher Fläche ein Reifen auf der Straßeliegt", sagt er.
 
Im Namen der Mathematik
Sich selbst verstehe er als Mittel zum Zweck: "Ichmache alles im Namen der Mathematik." Und die müsse einfachheraus aus ihrem wissenschaftlichen Elfenbeinturm. Bei seinenKollegen ernte Herrmann dafür so manches Mal ein Kopfschütteln,doch das Interesse anderer Institute und der Studierenden gebeihm Recht, sagt der Dekan des Fachbereichs Mathematik, RudolfGrübel. "Auch wenn er keine profunden mathematischen Fortschrittepräsentiert, sind wir doch sehr glücklich darüber,dass Herr Herrmann dem falschen Bild der introvertierten Mathematikentgegenwirkt."
 
Traum: Wissenschaftssendung
Praktischen Nutzen könne er in den wenigstenFällen aus seinen Formeln ziehen, gibt Herrmann selbst zu."Ich habe dadurch noch keinen Cent gewonnen", sagt er. Vielleichtkommt er so aber seinem Traum näher, irgendwann einmal eineWissenschaftssendung im Fernsehen zu moderieren. Da könnteer auch seine Berechnung präsentieren, in welchem Abstanddie Beine eines vorauseilenden Menschen optimal zu betrachtenseien. Für den besten Blickwinkel bräuchte eine 1,70Meter große Person demnach beim Blick auf 60 Zentimeterfreies Bein einen Abstand von rund 1,40 Metern. Eine Formel, dieauch zur optimalen Betrachtung einer Kirchturmuhr verwendet werdenkönnte, meint Herrmann.
 
Das Problem mit dem Bier
Das Problem des Biertrinkens ist übrigens nochnicht vollständig gelöst. Um die Standfestigkeit einerDose oder Flasche auf der Wiese zu verbessern, sucht Herrmannmit Blick auf die kommende Sommersaison nach dem idealen Schwerpunktder unterschiedlichen Gefäße. "Rund zwei Drittel müssteman mit dem ersten Zug schaffen", um die beste Standfestigkeitvon Dose oder Flasche zu erreichen, erläutert Herrmann. Dochauch hier stellt sich die Frage, ob der Durst linear in Physikumzusetzen ist.
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