So, 22. Juli 2018

Corleone und Co.

06.05.2009 14:19

Der Pate 2

Wildes Geballer unter Mafiakollegen, Schutzgeld-Erpressung, Bankraub, Auftragsmord: Das täglich Brot eines frisch gebackenen Mafia-Dons in "Der Pate 2". Das "Electronic Arts"-Game bietet dabei nicht nur 3rd-Person-Action, sondern versucht den Schritt zu einem Genremix aus Action, Strategie und Rollenspiel. Interessant und spannend klingende Ansätze, meint der Gamer auf den ersten Blick. Leider hapert es an der Umsetzung.

Dabei fängt das Spiel recht spannend an: In der Tutorial-Mission begleitet die Spielfigur – Dominic – die Corleones nach Kuba, um dort Geschäfte zu machen. Blöd nur, dass Fidels Revolution sogar der bekanntesten Mafiafamilie der Filmgeschichte einen Strich durch die Rechnung macht. Nach ein paar einführenden Pläuschchen mit Figuren aus den "Der Pate"-Filmmeisterwerken, geht es für den Spieler dann auch schon zum ersten Mal richtig zur Sache: Schließlich muss er den Weg zum Flughafen für sein Familienoberhaupt freischießen. Einer geht dabei trotzdem drauf und so ist zurück in New York ein Platz in der Hierarchie der Familie frei – unsere Chance einen eigenen Clan zu gründen und selbst zum Don zu werden.

Als Neo-Mafiaboss von Michael Corleones Gnaden geht "Der Pate 2" dann erst richtig los, wobei sich die Geschichte nur rudimentär an die Drehbücher der Filme anlehnt. Die Story-Missionen gestalten sich demnach leider auch wenig abwechslungsreich – Botengänge, Auftragsmorde, Einbrüche, das war's im Großen und Ganzen. Für Stimmung sorgen allerdings die Zwischensequenzen, die auch Hinweise und Tipps bieten.

Abwechslungsreicher gestalten sich da schon die Aktivitäten in der frei begehbaren Spielwelt – zumindest auf den ersten Blick. Beim Übernehmen eines gegnerischen Ladens gilt es zum Beispiel, zuerst die Wachen der befeindeten Mafia-Familie auszuschalten. Danach sollte man dem Geschäftsführer genügend Angst einjagen, bis dieser einwilligt, für Dominic zu arbeiten. Dabei gilt es, das Gegenüber durch Schläge, Drohungen oder das Zerlegen des Geschäfts unter Druck zu setzen. Ist dieser groß genug, willigt der Gesprächspartner in das Geschäft ein. Übertreibt man es jedoch, hat er keinen Bock mehr – die Mission ist gescheitert und man muss von vorne anfangen.

Neben dem Übernehmen und Verteidigen von Bordellen, Geldwäschereien und Drogenhöhlen kann der Spieler auch kleinere Aufträge von Passanten annehmen. Diese Missionen bringen entweder Geld oder Informationen, wie man Mitglieder anderer Mafiafamilien, so genannte "gemachte" Männer, endgültig aus der Welt schafft. Auch in diesen Side-Quests gilt es, Läden zu verwüsten, Leuten eine Abreibung zu verpassen oder sie gar unter die Erde zu bringen.

Auch der Spieler kann im Verlauf des Games seine Familie aufstocken, indem er "gemachte" Männer in seinen Clan aufnimmt. Diese haben unterschiedliche Stärken (vom Sprengmeister über den Schläger bis hin zum Safe-Spezialisten), die nach Rollenspielvorbild ausgebaut werden können. Im Strategie-Bildschirm, der so genannten Don-Ansicht, managt der Gamer seine Familie und seine Umgebung. Hier teilt der Nachwuchs-Mafioso Wachen für seine eroberten Geschäfte ein oder holt sich Informationen zu den Besitztümern der anderen Familien in New York, Florida und Kuba. Außerdem ist es nicht notwendig, sich um alles selbst in der Action-Ansicht zu kümmern, denn über die Don-Ansicht schickt man seine Handlanger etwa zur Übernahme eines fremden Geschäfts oder lässt sie eines der eigenen verteidigen.

So weit so gut. Leider kann das Gameplay nicht mit den Neuerungen mithalten. Die Steuerung gepaart mit der extrem unübersichtlichen Kameraführung nervt über weite Strecken des Spiels. Das Lenken der Autos wird des Öfteren zur Qual – rasante Verfolgungsjagden à la "GTA" oder "Scar Face" sind nicht drinnen. Die Don-Ansicht ist leider etwas zu unübersichtlich geraten und auch die Steuerung wirkt nicht durchdacht, wenn der Gamer zum Eingeben eines einzigen Befehls ungefähr fünf Mausklicks benötigt.

Abgesehen davon kommt es immer wieder zu ärgerlichen Logikfehlern, die leider auf die Atmosphäre drücken – Dominic sagt zum Beispiel zu, seine eigenen Geschäfte zu verwüsten oder auszurauben. Auch die Spielwelt trägt nicht gerade zur Stimmung bei, wenn fast jeder zweite Einwohner der bereisten Städte Aufträge an den Spieler vergeben möchte. Ansonsten passiert hier wenig. Insgesamt muss außerdem gesagt werden, dass das Game mit ziemlich brutaler und exzessiver Gewalt aufwartet - für zartbesaitete Naturen und Kinder ist es also sicherlich nichts.

Zusätzlich zu den Schwächen im Gameplay wirkt die Grafik ziemlich veraltet – Ähnliches haben wir schon vor Jahren bei "Scarface" gesehen. Die Texturen sind wenig detailreich und die Animationen auch etwas "hatschert". Der Sound und die Sprüche der Protagonisten hingegen sind absolut in Ordnung und tragen ihren guten Teil zur Mafia-Atmosphäre bei.

Fazit: "Der Pate 2" lehnt sich stark an "GTA" an und versucht mit Strategie- und Rollenspielelementen zu punkten. Das gelingt leider nur teilweise, denn insgesamt können diese neuen Features nicht über die schlechte Umsetzung des Gesamtpakets hinwegtäuschen. Seien es die Grafik, die Steuerung, die Logikfehler oder die etwas fade Geschichte – ständig denkt der Tester: "Hätte sich EA doch nur etwas mehr Zeit gelassen – es hätte ein großes Spiel werden können." Was von "Hätti-Wari-Täti" übrigbleibt, ist leider allgemein bekannt und trifft auch hier zu: Mittelmaß. Denn trotz interessanter Ansätze bleibt das Spiel weit unter seinen Möglichkeiten. Wirklich schlecht ist es trotzdem nicht. Deshalb wird es Gamer, die sich für Open-World- oder Mafia-Spiele begeistern können, immer wieder vor den Bildschirm ziehen.

Plattform: PC (getestet), PS3, XBox 360
Publisher: Electronic Arts
krone.at-Wertung: 6/10

von Stefan Taferner

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