Jet über New York

Behörden wussten, dass ihre Aktion Panik auslöst

Ausland
29.04.2009 22:19
Nach dem Tiefflug einer US-Präsidentenmaschine am Montag über New York enthüllt jetzt ein interner Vermerk, dass die Behörden bereits im Vorfeld wussten, dass ihr Vorhaben Angst und Schrecken unter der Bevölkerung auslösen könnte. Trotzdem - oder gerade deswegen - verheimlichten die Beamten den Tiefflug vor den New Yorkern. Selbst der Bürgermeister war nicht informiert.

Der US-Fernsehsender WCBS stieß bei seinen Recherchen zu dem Fall auf ein schier unglaubliches Behördenmemo. In dem Vermerk wurde festgehalten, dass sich die Beamten im Weißen Haus im Vorfeld des Tieffluges darüber im Klaren waren, dass in der Bevölkerung massive Erinnerungen an die Anschläge vom 11. September ausgelöst werden könnten. Die für diesen Fall zuständigen Mitarbeiter wiesen städtische Ämter zwar auf den Flug hin, drohten aber massive Konsequenzen für den Fall an, dass die Informationen weitergegeben würden. Sogar Bürgermeister Michael Bloomberg erhielt von seinen unterrichteten Mitarbeitern keinen Hinweis.

Der New Yorker Polizeichef Ray Kelly bedauert sein Schweigen inzwischen und gab gegenüber der Presse bekannt, dass er sich in Zukunft nicht mehr an eine derartige Geheimhaltungsvorgabe halten werde. "Die ganze Aktion war unfassbar unsensibel. Auf die seelischen Wunden der Einwohner dieser Stadt wurde keinerlei Rücksicht genommen", sagte Kelly.

Kosten der Aktion: 328.835 Dollar
Der Fernsehsender recherchierte außerdem die Kosten, die der Einsatz der Präsidenten-Maschine samt zweier sie begleitender F-16-Kampfjets verursacht hat. Das Ergebnis: Die Aktion, die zu PR-Zwecken dienen sollte, schlägt mit 328.835 Dollar (knapp 250.000 Euro) zu Buche.

Vor allem die ungewöhnlich niedrige Flughöhe war es, die den New Yorkern zugesetzt hatte. Mehrere Bürogebäude wurden vorsorglich geräumt, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Der Lokalsender NY1 berichtete über zahlreiche Anrufe beunruhigter Bürger, die einen erneuten Terroranschlag befürchtet hätten.

Flugbereitschaft wollte Fotos machen
Das Manöver hatte nach Angaben eines Luftwaffensprechers einen harmlosen Hintergrund: Die Flugbereitschaft im Verteidigungsministerium habe Luftaufnahmen von Manhattan und der Freiheitsstatue machen wollen. Der Flug sei mit der Luftfahrtbehörde FAA und den New Yorker Behörden abgesprochen gewesen. Ein FAA-Sprecher bestätigte die Angaben.

Manöver löst Unverständnis aus
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, bei denen unter anderem zwei Passagiermaschinen das World Trade Center zum Einsturz gebracht hatten, zeigten viele New Yorker nur wenig Verständnis für das ungewöhnliche Manöver. "Ich war hier am 11. September. Ich sah, wie Tausende Menschen starben", sagte ein Börsenhändler. "Deshalb gefällt es mir nicht, wenn ich von einer militärischen Foto-Aktion überrascht werde."

Bürgermeister Bloomberg wütend
New Yorks Bürgermeister Bloomberg sagte, er sei "verärgert und sogar wütend" über den Vorfall. Er versicherte während einer Pressekonferenz, dass er nicht im Voraus über das Flugmanöver informiert worden sei. "Sie wollten nicht, dass sich das herumspricht, das ist lächerlich und absurd", fügte Bloomberg hinzu. Warum das Verteidigungsministerium Luftbilder "ausgerechnet am Ort der Tragödie des World Trade Center" machen wollte, übersteige seine Vorstellungskraft.

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