Erdbeben in Italien

Acht Milliarden Euro für Neuaufbau von L’Aquila

Ausland
23.04.2009 14:14
Die italienische Regierung hat am Donnerstag ein Maßnahmenpaket im Umfang von insgesamt acht Milliarden Euro für den Neuaufbau des Erdbebengebiets in den Abruzzen verabschiedet. 1,5 Milliarden Euro wurden für die Notstandsphase zur Verfügung gestellt, weitere 6,5 Milliarden Euro sollen in den kommenden drei Jahren dem Neuaufbau dienen. Das wurde bei einer Ministerratsitzung in der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila beschlossen.

Der Plan sieht unter anderem den Bau von 5.000 Wohnungen für die Obdachlosen bis zum Herbst vor. Teile der Finanzierungen sollen aus dem EU-Krisenfonds sowie aus europäischen Fonds für Regionen stammen, teilte Regierungschef Silvio Berlusconi mit.

Die Regierung dementierte Pläne, mit einer Erhöhung der Benzin- und Tabaksteuer den Wiederaufbau in der mittelitalienischen Region zu finanzieren. "Wir werden den Wiederaufbau finanzieren, ohne die Italiener zu belasten. Der Steuerdruck wird wegen des Erdbebens nicht erhöht", versicherte Berlusconi. Er werde andere Länder um Finanzierungen zur Restaurierung von 44 historischen Gebäuden in L'Aquila bitten, kündigte der Regierungschef an.

Berlusconi will G8-Gipfel nach L'Aquila verlegen
Der Premierminister will den für Juli geplanten G8-Gipfel nach L'Aquila verlegen, der auf der Insel Maddalena vor Sardinien stattfinden sollte. "Damit werden wir uns 220 Millionen Euro ersparen, die wir für die Abruzzen verwenden können", sagte Berlusconi.

Der G8-Gipfel werde in einer Polizeikaserne in L'Aquila stattfinden, auf deren Hof vor zwei Wochen das Begräbnis der Erdbebenopfer stattgefunden hatte. "Diese Schule ist in der Lage, Staatschefs, Delegationen und Journalisten zu empfangen", sagte Berlusconi. Kein Globalisierungsgegner werde den Mut haben, in dieser zerstörten Gegend gegen die G8 zu demonstrieren, meinte der Premierminister.

Berlusconi entschuldigte sich bei Sardinien wegen der Verlegung des Gipfels. In dieser schwierigen Phase sei der Gipfel in L'Aquila ein Zeichen der Hoffnung für das Erdbeben-Gebiet. "La Maddalena ist eine wunderschöne Insel, doch wir hätten den G8-Gipfel auf einem Luxusschiff organisieren müssen. In L'Aquila können wir den Gipfel in einer einfacheren Struktur planen, die der jetzigen Krisephase angemessener ist", betonte der Premierminister.

Sardinien empört über Verlegung
"Zu den Themen des nächsten G8-Gipfels zählt die Vorbeugung von Naturkatastrophen. Wo könnte man besser als in einem vom Erdbeben zerstörten Gebiet über dieses Thema sprechen?", fragte Berlusconi. Der Bürgermeister von La Maddalena, Angelo Comiti, reagierte überrascht und empört auf Berlusconis Beschluss. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich hatte bereits den Verdacht, dass Berlusconi nicht besonders an Sardinien interessiert ist, und das ist jetzt die eklatanteste Bestätigung meiner Vermutungen", so der Bürgermeister.

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