Ultimatum ignoriert

Flüchtlinge strömen aus Rebellen-Gebiet

Ausland
21.04.2009 12:23
Die Flucht der im Kampfgebiet an der Nordostküste Sri Lankas festsitzenden Zivilisten dauert an. Armeesprecher Udaya Nanayakkara sagte, die Zahl der Zivilisten, die sich am Dienstag in Sicherheit hätten bringen können, sei noch nicht bekannt. Am Montag seien rund 40.000 Menschen über See und über Land aus dem von den Tamilen-Rebellen kontrollierten Gebiet geflohen. Nach Geheimdienstinformationen hält sich der Chef der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), Velupillai Prabhakaran, immer noch im Kampfgebiet auf. Die Tamilen-Rebellen haben unterdessen ein von der Regierung gestelltes 24-stündiges Ultimatum verstreichen lassen und nicht kapituliert.

Die Befreiungstiger hätten auf die "letzte Frist" bis Dienstagmittag (Ortszeit) nicht reagiert, teilte das Militär mit. Die Soldaten seien unterdessen weiter auf das letzte von den Rebellen kontrollierte Gebiet an der Nordostküste der Insel vorgedrungen.

Armeesprecher Nanayakkara sagte, 17 Menschen seien beim Fluchtversuch getötet und 373 weitere verletzt worden. Auf der LTTE-freundlichen Tamilnet-Website hieß es dagegen, das Kampfgebiet sei mit den Leichen Hunderter Zivilisten übersät. Sie seien von der Armee getötet worden. Nach Schätzungen der Regierung in Colombo könnten noch immer bis zu 30.000 Zivilisten in der Gewalt der Tamilen-Tiger sein. Die Vereinten Nationen (UNO) schließen indes nicht aus, dass die Zahl doppelt so hoch sein könnte. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnte, bei den Kämpfen drohe ein "Blutbad".

Zivilisten als lebende Schutzschilder?
Nach Geheimdienstinformationen halte sich der LTTE-Chef Prabhakaran immer noch im Kampfgebiet auf. Die LTTE leistete in dem von ihr kontrollierten Gebiet weiter Widerstand. Nach Militärangaben sind die verbleibenden LTTE-Kämpfer auf einer Fläche von weniger als zwölf Quadratkilometern von Soldaten umstellt. Die Armee wirft der LTTE vor, die Zivilisten als lebende Schutzschilde zu missbrauchen. Die Rebellen kritisieren, dass das Militär die Gegend wahllos beschieße. 

Der Konflikt zwischen den Rebellen, die für einen unabhängigen Tamilenstaat im Norden Sri Lankas kämpfen, und den Regierungstruppen dauert seit fast vier Jahrzehnten an. Allein seit dem 20. Jänner dieses Jahres kamen dabei nach UN-Angaben mindestens 2.800 Zivilisten ums Leben.

Gewaltsame Proteste in Paris
Bei gewaltsamen Protesten gegen den blutigen Konflikt in Sri Lanka hat die Polizei in Frankreichs Hauptstadt Paris am Montagabend 210 Demonstranten festgenommen. Nach Polizeiangaben versammelten sich mehrere hundert Tamilen in der Nähe des Nordbahnhofs zu einer nicht angemeldeten Kundgebung. Die Lage sei schnell eskaliert, als einige Demonstranten Mülltonnen umwarfen und Polizisten mit Flaschen bewarfen. Vier Menschen wurden verletzt, unter ihnen ein Polizist. 164 der 210 Festgenommenen wurden zur weiteren Befragung vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
21.04.2009 12:23
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung