Und Kenner der weltweit millionenfach verkauften Videospielserie wissen, was das bedeutet: eine Menge schmutziger Arbeit. In alter GTA-Tradition gilt es Drogen, Waffen, Autos und allerlei andere Dinge zu verchecken oder von A nach B zu transportieren und dabei immer wieder Gegner und - wenn es sein muss - auch Polizisten aus dem Weg zu räumen. Darüber hinaus gibt es natürlich wieder unzählige Nebentätigkeiten wie Krankenwagenfahren, an Straßenrennen teilnehmen, Nudeln ausliefern oder in Lagerhäuser einbrechen.
Einem 50-köpfigen Entwicklerteam ist es dabei in zweijähriger Arbeit gelungen, die überwältigende 3D-Welt des aktuellen Liberty City aus "Grand Theft Auto IV" in leicht modifizierter Form (der Stadtteil Alderney fehlt) auf der Nintendo-Konsole in Szene zu setzen. Das Spielgeschehen wird im Gegensatz zur starren Vogelperspektive der ursprünglichen GTA-Episoden aus einer um 360 Grad drehbaren Kameraperspektive gezeigt, die es dem Spieler mit einer Ansicht von schräg oben ermöglicht, Gebäude und Objekte von allen Seiten zu sehen, während sich er durch die durchlebten Straßen der Stadt bewegt.
Dies geschieht wahlweise zu Fuß oder mit einem der insgesamt über 100 zur Verfügung stehenden Fahrzeuge. Verschiedene Autos, Trucks, Lieferwagen, Motorräder oder auch Boote und vieles mehr sind in der ganzen Stadt zu finden und können sich auf Knöpfchendruck angeeignet werden. Wie es sich für die Serie gehört, verfügt jedes Vehikel über seine individuelle Fahrphysik, was das Navigieren durch Liberty City aufgrund der mitunter schwammigen Steuerung jedoch nicht unbedingt leichter macht.
Probleme mit der Orientierung gibt es allerdings nicht: Das erstmals in "GTA IV" eingeführte Navigationssystem wurde für "Chinatown Wars" weiter entwickelt und bietet dem Spieler nun die Möglichkeit, zusätzlich zur Mini-Map auf dem Touchscreen die Route zum ausgewählten Ziel auch durch Wegpunkte direkt auf der Straße anzuzeigen. Der Touchscreen fungiert zugleich als PDA, mit dem der Spieler ähnlich Nikos Mobiltelefon in "GTA IV" Zugriff auf Nachrichten und Kontakte, aber auch einen Musicplayer, WiFi-Funktionen und Spielstatistiken erhält.
Und natürlich ist der Touchscreen auch zum "Touchen" da. Um den Fähigkeiten des DS gerecht zu werden, macht das Spiel intensiven Gebrauch von seinen Touchscreen-Funktionen: Mit Hilfe des Touchpens gilt es etwa Autos kurzzuschließen, Waffen zusammenzuschrauben oder auch Mistsackerl aus dem Müllcontainer zu entfernen, um an überall im Spiel verteilte Waffen und andere Extras zu gelangen. Auch benötigt wird der Touchscreen, um zwischen den verschiedenen Waffen zu wählen, was im Eifer des Gefechts mitunter jedoch hinderlich sein kann. Gesteuert wird ansonsten aber mittels Steuerkreuz und Aktionstasten, während per R-Taste Gegner anvisiert werden.
Hat die in zahlreichen comic-artigen Zwischensequenzen vorangetriebene Story nach etwa 15 Stunden ein Ende gefunden, kann Liberty City via AdHoc-Netzwerk auch zu zweit unsicher gemacht werden. Ein weiteres Game vorausgesetzt, dürfen zwei Spieler in verschiedenen Rennen durch die Stadt rasen, Autos klauen, sich in einer Death-Match-Variante unter Beweis stellen, ihre Basis gegen angreifende Gangs verteidigen oder auch gegnerisches Territorium erobern. Auch GPS-Daten der eigenen Lieblingsplätze, Spielgegenstände oder Textnachrichten lassen sich mittels WiFi-Verbindung zwischen den Handhelds tauschen.
Einziger Nachteil: Bei all zu großem Menschenauflauf und dichtem Gerangel, wie es beispielsweise bei Verfolgungsjagden der Fall ist, kommt die Grafik-Engine mitunter ins Stocken. Davon abgesehen überzeugt "Chinatown Wars" jedoch durch das bereits vom großen Konsolen-Bruder bekannte lebhafte Stadtbild, die dynamische Wetterkulisse, den Tag- und Nacht-Wechsel sowie schmucke Explosionen. In Kombination mit der stimmigen Soundkulisse – neben dem Straßenlärm können Spieler auch wieder auf verschiedenste Radiosender mit insgesamt 40 Songs zugreifen – entsteht so auch auf dem DS ein überraschend realistisches Spielgefühl. Dass der für die Serie typische schwarze Humor ebenfalls seinen Weg ins Spiel gefunden hat, versteht sich dabei fast von selbst.
Fazit: Entgegen einer gewissen anfänglichen Skepsis bietet "Chinatown Wars" auch auf dem kleinen DS all das, was man von der großen Konsolen-Ausgabe gewohnt ist: Bissiger Humor, knallharte Action, ein abwechslungsreiches Gameplay und natürlich die offene und realistische Spielwelt machen den neuesten Ableger der Serie auch auf dem Nintendo-Handheld zu einem Erlebnis. Wer bislang glaubte, dieser wäre nur etwas für Kinderhände, wird von Rockstar eines besseren belehrt. Eine klare Kaufempfehlung für alle volljährigen DS-Besitzer.
Plattform: DS
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 9/10
von Sebastian Räuchle
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