Traurige Ostern

Berlusconi feiert in den Abruzzen mit Obdachlosen

Ausland
12.04.2009 12:41
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat Ostern mit den Obdachlosen der vom Erdbeben betroffenen mittelitalienischen Region Abruzzen gefeiert. Berlusconi nahm an der Ostermesse teil, die der Bischof von L'Aquila, Giuseppe Molinari, auf dem Platz der Polizeischule der Stadt zelebrierte. Auf dem selben Platz hatte vor zwei Tagen die Trauerzeremonie für die Opfer des Erdbebens stattgefunden. Indes wurde in der Hauptstadt der Abruzzen die Suche nach weiteren Überlebenden der Bebenkatastrophe eingestellt.

"Wir werden Sie nicht alleinlassen und bald für alle eine Unterkunft finden, damit niemand mehr in den Zeltlagern übernachten muss", sagte Berlusconi. Er lobte die Arbeit der Rettungsmannschaften. "Ich war noch nie so stolz, Italiener zu sein", so der Premierminister. Er will kommende Woche ein weiteres Dekret mit Sonderfinanzierungen für die Betroffenen verabschieden. Damit soll Geld für den Wiederaufbau aufgebracht werden.

Erstmals keine Erdstöße in der Nacht
In den 32 Not-Zeltlagern, in denen 18.000 Obdachlose untergebracht sind, verbrachten die Menschen eine ruhige Nacht, da erstmals seit dem verheerenden Erdbeben am Montag keine Nachstöße gemeldet wurden. In allen Zeltlagern wurde die Ostermesse zelebriert. Über 100 Priester waren im Einsatz. Den Obdachlosen wurden am Ostersonntag 500 Lämmer serviert. 500 Schokoladeneier sendete der Heilige Vater den obdachlosen Kindern. Benedikt XVI. entsendete zudem Öl und Kelche für die Ostermesse im Erdbebengebiet. 10.000 Hostien und 32 Flaschen Wein für die Messe wurden von Pfarren aus ganz Italien geschenkt.

Am meisten fürchten die Obdachlosen derzeit den angekündigten Regen. Laut Wettervorhersagen sollte es in den nächsten Tagen zu Regenfällen kommen, was die Lebensbedingungen in den Zeltlagern wesentlich verschlechtern könnte. "Wenn es regnet, wird es hier nur Schlamm geben", meinte eine Helferin im Zeltlager auf der Piazza delle Armi in L'Aquila.

Suche nach Überlebenden eingestellt
In der Abruzzen-Hauptstadt wurde inzwischen die Suche nach Überlebenden eingestellt. Es gebe keine Chance mehr, weitere Menschen lebend unter den Trümmern zu finden, teilte der Zivilschutz mit. Bisher wurden 293 Todesopfer gemeldet. Die letzten Vermissten wurden tot gefunden. Am Sonntag wurde das Begräbnis der letzten sechs Menschen zelebriert, die tot aus den Trümmern geborgen wurden.

2.700 Feuerwehrleute sind im Einsatz, um die Schäden zu beziffern. 38.000 Gebäude brachen wegen des Erdbebens zusammen oder sind schwer beschädigt. Es werde mehrere Monate dauern, bis die Experten alle Gebäude überprüft haben werden, teilte der Zivilschutz am Sonntag mit.

Untersuchung über Bauqualität der Häuser eingeleitet
Indes tobt nach dem katastrophalen Erdbeben in Italien ein heftiger Streit über die unzureichende Bauqualität der Häuser in den Abruzzen, zumal auch zahlreiche jüngere Gebäude eingestürzt sind. Die Staatsanwaltschaft von L'Aquila hat eine Untersuchung eingeleitet, um festzustellen, ob Missachtung der Bauregeln für den Einsturz öffentlicher Gebäude beim Erdbeben vom Montag mit verantwortlich sein können. Baugesellschaften werden verdächtigt, in der Region Abruzzen, schlechten Zement gemischt mit Meeressand bei der Errichtung der Gebäuden verwendet zu haben. Ermittlungen sollen gegen mehrere Baufirmen laufen, berichteten italienische Medien am Sonntag.

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