Oster-Auftakt

Karfreitags-Kreuzweg im Schatten des Erdbebens

Ausland
11.04.2009 08:23
Überschattet von dem schweren Erdbeben in den Abruzzen haben in Rom die Osterfeiern mit Papst Benedikt XVI. begonnen. Auch bei dem von Dutzenden von TV-Sendern in alle Welt ausgestrahlten Karfreitags-Kreuzweg klang am Abend am Kolosseum in Rom das Leid der Zehntausenden von Menschen durch den Erdstoß vom vergangenen Montag an. Vor dem Ende des traditionellen Kreuzweges betete Benedikt für alle Leidenden der vom Beben heimgesuchten Abruzzen, "auf dass auch ihnen der Stern der Hoffnung und das Licht des wiederauferstandenen Herrn erscheine". Durch das Abruzzen-Beben starben mindestens 290 Menschen.

"Es ist in schwierigen Augenblicken nicht alles verloren", hieß es in dem Gebet, mit dem im Beisein des Papstes der Kreuzweg am späten Abend eröffnet wurde. Hinter Naturkatastrophen, Kriegen, Revolutionen und Konflikten jeder Art gebe es auch "ein besonderes göttliches Handeln". Ganz Italien hatte am Karfreitag mit einem Staatsbegräbnis und einer außerordentlichen Messe in der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila von den Opfern des Erdbebens Abschied genommen.

Nachdenken über "das Böse in der Welt"
Im Gedenken an den Leidensweg Jesu Christi vor 2.000 Jahren machten sich Pilger im Schein von Fackeln auf den Weg der sogenannten Via Crucis im Zentrum der Ewigen Stadt. Die Meditationen zu dem vor allem auch bei Ostertouristen beliebten Kreuzweg stammten in diesem Jahr von dem indischen Erzbischof Thomas Menamparampil. Der Vatikan hatte die Gläubigen in dem Zusammenhang aufgerufen, über das "Böse in der Welt" nachzudenken, auch über die Verfolgung von Christen in Indien. Benedikt trug das Kreuz wie schon 2008 auf keiner der 14 Stationen.

Gedenken an die Toten in den Abruzzen
An das Erdbeben mit Hunderten von Toten hatte Benedikt bereits zur Eröffnung der Osterfeierlichkeiten am Gründonnerstag erinnert. Ein Teil der bei der Messe geweihten heiligen Öle für Taufen und Firmungen waren der geschundenen Erdbebenregion gewidmet. Für die Trauermesse in der Abruzzen-Hauptstadt hatte der Vatikan eine Sondergenehmigung erteilt, weil am Karfreitag sonst keine Eucharistie-Messen üblich sind. Benedikt, der nach Ostern die Erdbebenregion besuchen will, schickte seine "rechte Hand", Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, und seinen Privatsekretär Georg Gänswein zu der Feier.

Mehr zu den Trauerfeierlichkeiten in den Abruzzen findest du in der Infobox!

Höhepunkt des Osterfests am Sonntag
Nach der traditionellen Fußwaschung am Gründonnerstag-Abend gehört die Osterwache im Petersdom am Samstag zu den erhebenden Momenten der Feierlichkeiten - wenn das Osterlicht die zuvor dunkle Kirche immer heller erstrahlen lässt und um Punkt Mitternacht die Kirchenglocken in Rom zu läuten beginnen. Abschluss und Höhepunkt der katholischen Osterfeiertage ist am Sonntag der Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz.

Osterfrieden auch in Jerusalem
Auch in Jerusalem erinnerten Tausende Gläubige am Karfreitag mit dem traditionellen Kreuzweg an das Leiden Jesu. Der Überlieferung nach ist Jesus vor rund 2.000 Jahren mit der Last des Kreuzes die Via Dolorosa entlanggegangen, bevor er gekreuzigt wurde und starb. Pilger trugen schwere Holzkreuze über die 14 Stationen des Kreuzweges bis zur Grabeskirche. Das ist der Ort, wo Jesus der Überlieferung nach von den Römern ans Kreuz geschlagen wurde. In der Grabeskirche hatten Pilger am frühen Morgen bereits jene Steinplatte berührt, auf der der Leichnam Christi gewaschen worden sein soll.

Ostermesse aus Grabeskirche live im Internet
Vertreter der beiden muslimischen Familien, die seit dem 13. Jahrhundert die Schlüssel zur Grabeskirche haben, öffneten am Freitag die Tore des Gotteshauses für die Gläubigen. Die Auswirkungen der Weltfinanzkrise waren in diesem Jahr auch in Jerusalem zu spüren. Weniger Pilger waren am Kreuzweg zu sehen als im Vorjahr. Die Ostermesse aus der Grabeskirche in Jerusalem wird erstmals auch live im Internet übertragen.

Das christliche Osterfest fällt in diesem Jahr mit dem jüdischen Pessach-Fest zusammen, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und die Befreiung aus der der Sklaverei erinnert. Aus Sorge vor Anschlägen sorgen Hunderte Polizisten in Jerusalem für Sicherheit. Israel hatte zuvor die Palästinenser-Gebiete abgeriegelt.

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