Historisches Tief
EZB senkt Leitzins im Euroraum auf 1,25 Prozent
Finanzexperten hatten im Vorfeld der Ratssitzung mit 1,0 Prozent gerechnet. Auch bei Analysten kam die Entscheidung nicht gut. Sie sei "suboptimal", sagte RBS-Chefvolkswirt Jacques Cailloux. "Es ist unverantwortlich, in der jetzigen Situation die Zinsen nicht radikal zu senken", sagte DGB-Chefvolkswirt Dierk Hirschel am Donnerstag. Die EZB nehme in Kauf, dass sich die Krise dadurch weiter verschärfe. "Sie gefährdet damit Arbeitsplätze und riskiert weitere Unternehmenspleiten."
Einlagezins für Banken nun bei 0,25 Prozent
Die Notenbanken in den USA, Japan und Großbritannien hatten ihre Zinsen schneller und kräftiger Richtung null Prozent gesenkt. Die EZB nahm ihren Leitzins dagegen nur von 1,5 auf 1,25 Prozent zurück. Außerdem hat die EZB am Donnerstag den Einlage-Zinssatz auf 0,25 Prozent gesenkt. Damit bekommen Banken, die Geld kurzzeitig bei der EZB parken, von der Notenbank weniger Zinsen gutgeschrieben. Zuvor lag der Zinssatz, der stets niedriger ist als der Leitzins, bei 0,5 Prozent. Der Spitzenrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken kurzfristig Geld beschaffen können, sank von 2,5 auf 2,25 Prozent.
Verbraucherschützer forderten unterdessen die Geschäftsbanken auf, die sinkenden Refinanzierungskosten an die Kunden weiterzugeben. "Auf Unverständnis stößt bei uns, dass einige Banken in den vergangenen Monaten ihre Dispokredite verteuert haben, obwohl die Leitzinsen deutlich gesenkt wurden", sagte die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Bundesverband, Dorothea Mohn, zu Reuters. "Wir fordern die Banken auf, die Leitzinssenkungen rasch an die Kunden weiterzugeben." Wenn sich die Kreditinstitute billiger Geld bei der EZB beschaffen könnten, müsse das auch den Kunden zugutekommen.
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