Historisches Tief

EZB senkt Leitzins im Euroraum auf 1,25 Prozent

Ausland
02.04.2009 15:31
Im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag den Leitzins im Euro-Raum auf ein Rekordtief gesenkt. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Geld der Zentralbank verringert sich um weitere 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent. Das teilten die Währungshüter in Frankfurt im Anschluss an eine turnusmäßige Ratssitzung mit. Die 1,25 Prozent bedeuten den niedrigsten Stand in der Geschichte der Notenbank. Die Mehrheit der Beobachter hatte allerdings eine stärkere Reduzierung erwartet, für die vorsichtige Zinspolitik kam bereits Kritik von allen Seiten.

Finanzexperten hatten im Vorfeld der Ratssitzung mit 1,0 Prozent gerechnet. Auch bei Analysten kam die Entscheidung nicht gut. Sie sei "suboptimal", sagte RBS-Chefvolkswirt Jacques Cailloux. "Es ist unverantwortlich, in der jetzigen Situation die Zinsen nicht radikal zu senken", sagte DGB-Chefvolkswirt Dierk Hirschel am Donnerstag. Die EZB nehme in Kauf, dass sich die Krise dadurch weiter verschärfe. "Sie gefährdet damit Arbeitsplätze und riskiert weitere Unternehmenspleiten."

Einlagezins für Banken nun bei 0,25 Prozent
Die Notenbanken in den USA, Japan und Großbritannien hatten ihre Zinsen schneller und kräftiger Richtung null Prozent gesenkt. Die EZB nahm ihren Leitzins dagegen nur von 1,5 auf 1,25 Prozent zurück. Außerdem hat die EZB am Donnerstag den Einlage-Zinssatz auf 0,25 Prozent gesenkt. Damit bekommen Banken, die Geld kurzzeitig bei der EZB parken, von der Notenbank weniger Zinsen gutgeschrieben. Zuvor lag der Zinssatz, der stets niedriger ist als der Leitzins, bei 0,5 Prozent. Der Spitzenrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken kurzfristig Geld beschaffen können, sank von 2,5 auf 2,25 Prozent.

Verbraucherschützer forderten unterdessen  die Geschäftsbanken auf, die sinkenden Refinanzierungskosten an die Kunden weiterzugeben. "Auf Unverständnis stößt bei uns, dass einige Banken in den vergangenen Monaten ihre Dispokredite verteuert haben, obwohl die Leitzinsen deutlich gesenkt wurden", sagte die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Bundesverband, Dorothea Mohn, zu Reuters. "Wir fordern die Banken auf, die Leitzinssenkungen rasch an die Kunden weiterzugeben." Wenn sich die Kreditinstitute billiger Geld bei der EZB beschaffen könnten, müsse das auch den Kunden zugutekommen.

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