Massives Aufrüsten
Medwedew will Atomarsenal modernisieren
Erst vor einem Monat hatte die Regierung den Streitkräfte-Etat um 15 Prozent gekürzt und weitere Einsparungen nicht ausgeschlossen. Medwedew hingegen erklärte nun beim jährlichen Treffen mit seinem Verteidigungsstab, unabhängig von der Finanzkrise verfüge Russland über ausreichende Ressourcen für die Neuausrüstung der Armee und Flotte. "Sie müssen in der Lage sein, alle Aufgaben zu erfüllen, um Russlands Sicherheit zu gewährleisten." Allerdings nannte der Kreml-Chef keine konkrete Summe, die der Staat bis 2020 investieren will. Das modernisierte Raketensystem Topol-M wird ab 2016 den Kern der landgestützten strategischen Atomwaffen Russlands bilden, verkündete Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow.
Irritationen in Washington
Die Aufrüstungspläne Moskaus dürften in den USA für Irritationen sorgen: Mit Amtsantritt des neuen Präsidenten Barack Obama hatten sich die bilateralen Beziehungen zunächst deutlich entspannt. Obama hatte angekündigt, die geplante US-Raketenabwehr in Europa auf den Prüfstand zu stellen, was Russland begrüßt hatte. Moskau hatte die unter Obamas Vorgänger George W. Bush entwickelten Pläne für den Abwehrschild stets als Affront aufgefasst. Bush hatte auch die Aufnahme der früheren Sowjet-Staaten Ukraine und Georgien in die NATO grundsätzlich befürwortet.
Die Beziehungen zwischen Washington und Moskau waren außerdem wegen des russischen Vorgehens im Kaukasus-Konflikt gegen Georgien in den vergangenen Monaten angespannt. Im Hinblick auf den Konflikt im vergangenen Sommer sagte Medwedew am Dienstag, die russischen Streitkräfte hätten "gut reagiert". Zugleich habe der Konflikt jedoch auch die "Schwächen" Russlands gezeigt. Schwierigkeiten bei der Lieferung bestimmter Waffengattungen und der Bereitstellung bestimmter Kommunikationsmittel seien "wohlbekannt und erfordern eine sofortige Reaktion". Die georgische Regierung hatte im vergangenen August eine Offensive gestartet, um die Kontrolle über das abtrünnige Südossetien wiederzuerlangen. Moskau hatte darauf mit der Entsendung seiner Streitkräfte nach Georgien reagiert.
Reform längst überfällig
Bereits Medwedews Vorgänger Wladimir Putin hatte wiederholt eine Modernisierung des Waffenarsenals verkündet. Experten zufolge blieb die Umsetzung bisher aber weit hinter den Ankündigungen zurück. Seit Jahren tritt das russische Militär bei der überfälligen Reform auf der Stelle. Ein Großteil der Atomwaffen stammt noch aus Sowjetzeiten und muss erneuert werden. Die Flugtests für die neue Interkontinentalrakete Bulawa waren zuletzt mehrmals missglückt. Auch das militärisch wie zivil zu nutzende Satelliten-Navigationssystem GLONASS, eine Antwort auf das seit langem funktionierende US-System GPS, verzögert sich seit Jahren.
In den Streitkräften herrscht große Verunsicherung, da im Rahmen der Reform das Offizierkorps deutlich verringert werden soll. Insgesamt ist eine Reduzierung um 300.000 auf eine Million Soldaten geplant. Ziel ist es, das unflexible Heer aus den Zeiten des Kalten Krieges in effektive Kampfverbände umzuwandeln.
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