Niedrig wie noch nie
EZB senkt Leitzinsen auf 1,5 Prozent
Im Februar hatte die EZB noch eine Zinspause eingelegt, nachdem sie das Zinsniveau seit Oktober 2008 um insgesamt 2,25 Punkte reduziert hatte. Mit der erneuten Zinssenkung reagiert die EZB auf die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise bei zugleich deutlich gesunkenen Inflationsraten. Seit Herbst reduzierte die Notenbank den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld um insgesamt 2,25 Prozentpunkte.
In den USA und in Japan liegen die Leitzinsen derzeit praktisch bei null. In Großbritannien senkte die Bank von England (BoE) den Leitzins am Donnerstag um 0,5 Punkte auf den historischen Tiefststand von 0,5 Prozent.
Experten warnen vor Inflationsgefahr
Angesichts der massiven Leitzinssenkungen weltweit und der milliardenschweren Konjunkturprogramme wachsen bei Experten die Sorgen vor einem massiven Anstieg der Inflation, sobald die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt. Die Gefahr sei, dass die staatlichen Programme nicht mehr rechtzeitig zurückgefahren würden, sagte Commerzbank-Experte Michael Schubert am Mittwoch.
Auch die Europäische Zentralbank stehe dabei vor einem Dilemma: Weil Zinsentscheidungen derzeit mit einer Verzögerung von etwa zwei Jahren Auswirkungen auf die Realwirtschaft hätten, müsse sie sehr früh damit beginnen, die Zinsen wieder zu erhöhen. "Diesmal wird es noch schwerer als 2005, und der politische Druck wird noch höher", betonte er. "Dummerweise kann man das alles heute noch nicht absehen."
WKÖ-Chef Leitl zeigt sich zufrieden
"Der heutige Schritt der EZB, den Leitzins von 2 auf 1,5 Prozent zu senken, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das darf aber nicht der letzte gewesen sein", betont der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Christoph Leitl, in einer ersten Reaktion. Die Eurozone sei mit dem tiefsten Wachstumseinbruch der Nachkriegszeit und rasant sinkender Inflation konfrontiert - "ohne dass bereits Licht am Ende des Tunnels sichtbar wäre." Alle Akteure auf europäischer Ebene müssen handeln, damit es rasch wieder bergauf geht, so Leitl weiter.
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