Di, 16. Oktober 2018

Djerba-Anschlag

05.02.2009 23:07

Terrorprozess: 18 Jahre Haft für Deutschen

Im Prozess um den Terroranschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba ist der deutsche Angeklagte Christian G. zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Schwurgericht in Paris befand den 42-Jährigen der Mittäterschaft und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung für schuldig. Bei dem Anschlag vom April 2002 waren 21 Menschen getötet worden, darunter 14 deutsche Touristen.

G. nahm das Urteil während der Verkündung vollkommen unbewegt auf. Sein Anwalt Sebastien Bono kündigte Berufung an. Das Urteil sei "unlogisch und nicht hinnehmbar". Er verwies darauf, dass die deutsche Justiz seinen Mandanten nach dem Attentat 2002 zwar festgenommen, ihn mangels ausreichender Beweise aber wieder laufen habe lassen. "In Deutschland wurde er freigelassen, in Frankreich wurde er zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt." G. war 2003 in Paris festgenommen worden. Der Prozess fand in Frankreich statt, weil unter den Opfern von Djerba auch zwei Franzosen waren.

Angeklagter habe grünes Licht gegeben
Die Staatsanwaltschaft hatte 30 Jahre Haft gefordert, da G. dem Attentäter in einem Telefonat kurz vor dem Anschlag "grünes Licht" gegeben habe. Zudem war er beschuldigt worden, seit den 90er-Jahren über mehrere Afghanistan-Aufenthalte mit hochrangigen Al-Kaida-Mitgliedern in Kontakt gestanden zu haben. Darunter solle sich auch Osama bin Laden, der Chef des Terrornetzwerks, befunden haben.

G. beteuert Unschuld
G., der 1986 zum Islam übergetreten war, beteuerte in seinem Schlusswort seine Unschuld. Es sei richtig, dass er mehrfach in Afghanistan gewesen sei, sagte er. Aus heutiger Sicht sei das nicht klug gewesen, "aber das ist die Vergangenheit, und ich kann darin nichts ändern". Mit dem Anschlag, zu dem sich Al Kaida bekannte, habe er nichts zu tun.

"Sind endlich erleichtert"
Die deutschen Nebenkläger in dem Prozess zeigten sich zufrieden mit dem Urteil. Wichtig sei, dass G. in beiden Anklagepunkten schuldig gesprochen worden sei, auch wenn die Strafe nicht so hoch wie gefordert sei, sagte ihre Anwältin Judith Adam-Caumeil vor Journalisten. "Wir sind endlich erleichtert", meinte die Tochter eines französischen Opfers, Kathrin Christaens, nach der Urteilsverkündung.

12 Jahre Haft für Bruder des Attentäters
Neben G. wurde auch ein Bruder des tunesischen Attentäters verurteilt. Walid Nizar muss zwölf Jahre in Haft, wie die Richter nach siebenstündigen Beratungen entschieden. Für ihn hatte die Anklage 15 Jahre verlangt, weil er Material für den Anschlag besorgt haben soll, darunter gefälschte Papiere und ein Satellitentelefon. Gegen das mutmaßliche Al-Kaida-Führungsmitglied Khalid Sheikh Mohammed erging kein Urteil. Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Kopf der Terroranschläge vom 11. September war seit Prozessbeginn am 5. Jänner zunächst in Abwesenheit geführt worden, da er im US-Gefangenenlager Guantanamo sitzt. Im Laufe des Prozesses trennte das Gericht den Fall ab. Über den mutmaßlichen Terrorpaten will es später befinden.

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