Versöhnung als Ziel

Gemäßigter Islamist ist Präsident Somalias

Ausland
31.01.2009 11:26
Der gemäßigte Islamisten-Führer Sheikh Sharif Ahmed ist zum neuen somalischen Präsidenten gewählt worden. Wie die somalische Nachrichtenagentur Shabelle in der Nacht auf Samstag berichtete, stimmte eine große Mehrheit des Übergangsparlaments bei einer Nachtsitzung im benachbarten Dschibuti für den Vorsitzenden der Allianz zur Wiederbefreiung Somalias (ARS). Nach seiner Wahl in der nächtlichen Parlamentssitzung kündigte Ahmed an, das Land versöhnen zu wollen. Der bisherige Präsident Abullahi Yussuf Ahmed hatte im Dezember seinen Rücktritt erklärt.

Beobachter sehen in Sheikh Sharif Ahmed den am ehesten geeigneten Kandidaten, die zerstrittenen Parteien in dem ostafrikanischen Bürgerkriegsland wieder zu einen. Er hatte bereits die Union der Islamischen Gerichte angeführt, die bis zum Einmarsch der äthiopischen Truppen 2006 in Somalia die Macht in der Hauptstadt Mogadischu und weiten Teilen des Landes innehatte. Die selbst ernannte Schutzmacht Somalias zwang damals auch Sheikh Sharif zum Gang ins Exil.

Großer Vorsprung auf Sohn von Ex-Diktator Siad Barre
Der junge Geisliche gewann die Wahl mit großem Vorsprung auf Maslah Mohamed Siad Barre, den Sohn des früheren Machthabers Siad Barre. Sheikh Sharifs größter Rivale, Regierungschef Nur Hassan, hatte sich bereits nach dem ersten Wahlgang wegen mangelnder Unterstützung zurückgezogen. Er signalisierte dem neuen Präsidenten Kooperationsbereitschaft. Sheikh Sharif rief die sich bekämpfenden Milizen auf, gemeinsam Frieden zu suchen. "Meine oberste Priorität ist es, Frieden nach Somalia zu bringen", sagte der neue Präsident. Er wird am Sonntag zu einem Treffen der Afrikanischen Union in Äthiopien erwartet, ehe er in seine Heimat fliegt.

Die Wahl war Teil eines von den Vereinten Nationen unterstützten Friedensprozesses zur Bildung einer Einheitsregierung in Somalia. Die UNO hofft, dass so dem seit 1991 herrschenden Chaos und Bürgerkrieg in dem bitterarmen Land am Horn von Afrika ein Ende gesetzt werden kann. Damals war der Diktator Siad Barre gestürzt worden.

Aus Sicherheitsgründen war die Sitzung des Parlaments von Baidoa in Somalia nach Dschibuti verlegt worden. Erst am Montag hatte die radikal-islamische Al-Shabab-Miliz den Parlamentssitz eingenommen - wenige Stunden nachdem sich die äthiopischen Truppen aus Somalia zurückgezogen hatten. Die Al-Shabab-Miliz lehnt den Friedensprozess ab und hat die Fortsetzung ihres Kampfe angekündigt.

Piraten nutzen Gesetzlosigkeit an der Küste
Die Sicherheitslage in Somalia hatte sich 2006 mit dem Einmarsch der äthiopische Truppen zur Unterstützung des somalischen Übergangsregierung weiter verschärft. Islamistische Milizen führten einen Guerillakrieg gegen die Truppen und griffen wiederholt auch in Somalia stationierte Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU) an. Insgesamt wurden in dem Bürgerkrieg nach Schätzungen rund 16.000 Zivilisten getötet, mehr als eine Million Menschen wurden vertrieben. Die Gesetzlosigkeit an der Küste nutzen somalische Piraten, um in den Gewässern am Horn von Afrika Handelsschiffe zu kapern und Lösegelder zu erpressen.

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