Holocaust-Eklat

Ruf nach Kirchensanktionen wird immer lauter

Ausland
30.01.2009 21:52
Die päpstliche Entscheidung, die Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson aufzuheben, belastet massiv das Verhältnis zwischen den Juden und der katholischen Kirche. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, fordert, dass der britische Traditionalisten-Bischof "seine Funktionen als Kirchenmann, der ja dem Ausgleich verpflichtet sein sollte, nicht mehr wahrnimmt". Die von Papst Benedikt XVI. beteuerte "volle Solidarität" mit den Juden "würde ich erst dann akzeptieren, wenn dieser Holocaust-Leugner zur Rechenschaft gezogen wird", sagte Knobloch in einem Zeitungsinterview.

Damit wächst der Druck auf den Papst, einen Ausweg aus der Krise zu suchen, nachdem das israelische Großrabbinat die offiziellen Beziehungen zum Vatikan eingefroren hat.

Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte am Freitag, wer den Holocaust leugne, "der leugnet den christlichen Glauben selbst". "Und das ist umso schwerwiegender, wenn es aus dem Mund eines Priesters oder eines Bischofs kommt." Die argentinische Zeitung "La Nación" schrieb, Williamson könnte die Leitung des Priesterseminars nahe Buenos Aires entzogen werden. Das hätten Priester der Bruderschaft und Personen aus dem Umfeld des Bischofs bestätigt.

Schönborn sieht Fehler im Vatikan
Kardinal Christoph Schönborn erklärte am Donnerstagabend in einem ORF-Interview: "Wer die Shoah leugnet, kann nicht in seinem kirchlichen Amt rehabilitiert werden". Der Wiener Erzbischof betonte, dass die Absicht des Papstes "eine Versöhnung mit dieser Gruppe" (der traditionalistischen Bruderschaft St. Pius X., Anm.) und eine "Geste des Entgegenkommens" gewesen sei. Die vatikanische Mitarbeiter hätten "nicht genügend hingeschaut" und sich nicht ausreichend über Williamson informiert, sagte er in der ZiB 2. Die vier Bischöfe seien allerdings "noch nicht in Amt und Würden". Solange sie "das Zweite Vatikanische Konzil nicht anerkennen, wird es keine Versöhnung geben". 

Pius-Bruderschaft-Leiter leugnet Juden-Vergasung 
Nach dem britischen Traditionalisten-Bischof hat auch der Leiter der Pius-Bruderschaft in Nordostitalien, Don Floriano Abrahamowicz, gebürtiger Österreicher und Sohn eines ehemaligen reformierten Pfarrers (Evangelische Kirche H.B.) in Wien, infrage gestellt, dass die Gaskammern der Juden-Vernichtung dienten. "Ich weiß, dass die Gaskammern zur Desinfektion benutzt wurden", er wisse nicht, ob darin getötet worden sei, wurde der Priester zitiert.


"... aber kein einziger in Gaskammern"
Ungeachtet jüdischer Proteste hatte Benedikt XVI. die Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen der Bruderschaft St. Pius X. des verstorbenen französischen Erzbischofs Marcel Lefebvre annulliert, unter ihnen Williamson, der während eines Deutschland-Aufenthalts in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen geäußert hatte: "Ich denke, dass 200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben sind, aber nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern". 

Da Holocaust-Leugnung in Deutschland ein Offizialdelikt ist, hat die Staatsanwaltschaft Regensburg ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet. 

Williamson entschuldigt sich beim Papst
Der umstrittene britische Bischof hat indes Papst Benedikt XVI. um Entschuldigung gebeten. In einem am Freitag veröffentlichten Schreiben an den für die Kontakte zu den Traditionalisten der Priesterbruderschaft St. Pius X. des verstorbenen Erzbischofs Marcel Lefebvre zuständigen Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos unterstrich Williamson, er bedauere zutiefst "das Leid", das er mit seiner "unnötigen" Äußerung dem Heiligen Vater verursacht habe.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hatte sich bereits am Dienstag von der Leugnung der Shoah durch Bischof Williamson distanziert und sich beim Papst entschuldigt. Mit seinen Äußerungen habe Williamson sein kirchliches Mandat entschieden übertreten und seine Gemeinschaft diskreditiert, heißt es laut Kathpress in einer Stellungnahme des Generalsuperiors, Bischof Bernard Fellay, vom Dienstagabend. Die Behauptungen von Williamson in dem TV-Interview spiegelten in keiner Weise die Position der Bruderschaft wider, so Fellay, der weiters erklärte, er habe Williamson bis auf weiteres jede öffentliche Stellungnahme zu politischen oder historischen Fragen untersagt.

Elie Wiesel: "Papst fehlt Feingefühl"
Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel hat indes entsetzt auf die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. reagiert. Mit der Aufhebung der Exkommunikation Williamsons habe Benedikt "der vulgärsten Erscheinung des Antisemitismus" Glaubwürdigkeit verliehen, sagte Wiesel am Mittwoch. "Das Ergebnis der Entscheidung ist einfach: Einem Holocaust-Leugner Glaubwürdigkeit zu verleihen, bedeutet, dass es uns Juden gegenüber an Feingefühl fehlt", sagte Wiesel, der die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt hat. Eine unwissentliche Entscheidung des Papstes schloss Wiesel aus: "Oh nein! Die Kirche weiß, was sie tut, besonders auf der Ebene des Papstes, diesen Mann wieder aufzunehmen. Sie wissen, was sie tun, und sie taten es absichtlich. Ihre Absichten kenne ich aber nicht." Er könne dem Vatikan keinen Rat geben, wie die Dinge wieder in Ordnung gebracht werden könnten. "Der Vatikan hat die Situation herbeigeführt. Nun muss er sie auch lösen."

Bruderschaft distanziert sich von Holocaust-Leugner
Die Leitung der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. hat sich indes erstmals von der Leugnung der Shoah durch Bischof Richard Williamson distanziert und sich beim Papst entschuldigt. Mit seinen Äußerungen habe Williamson sein kirchliches Mandat entschieden übertreten und seine Gemeinschaft diskreditiert, heißt es laut Kathpress in einer Stellungnahme des Generalsuperiors, Bischof Bernard Fellay, vom Dienstagabend.

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