Neuer Fauxpas

Vergewaltigungen: Berlusconi nimmt es locker

Ausland
26.01.2009 17:04
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi sorgt mit einem neuen Fauxpas für Entrüstung. Der Ministerpräsident versprach, dass er 30.000 Soldaten zur Bekämpfung der Kriminalität einsetzen werde, nachdem in Rom seit Jahresbeginn eine Serie von Gewaltakten gegen Frauen - drei davon wurden brutal vergewaltigt - die Öffentlichkeit schockte. Berlusconi meinte, er werde zwar die Soldaten einsetzen, es sei jedoch schwierig, die Welle der Gewalt ganz zu stoppen. "Wir müssten so viele Soldaten haben, wie es in Italien schöne Frauen gibt. Ich glaube, wir werden es niemals schaffen", erklärte der Premier.

Die Worte Berlusconis sorgten für helle Entrüstung. "Diese Äußerungen bezeugen wieder einmal die mangelnde Sensibilität des Ministerpräsidenten, der das Drama der sexuellen Gewalt ignoriert, die italienischen Frauen beleidigt und selbst den Sinn des Militäreinsatzes infrage stellt", sagte der italienische Oppositionschef Walter Veltroni. 

Auch italienische Frauenverbände reagierten wütend auf Berlusconis Worte. Die Rechtspolitikerin und Duce-Enkelin Alessandra Mussolini, die seit Jahren Kampagnen gegen die Gewalt gegen Frauen führt, schaltete sich in die Debatte ein. "Man braucht so viele Soldaten, weil es so viele hässliche Männer gibt", so Mussolini.

Brutale Übergriffe 
Italien hat geschockt auf den brutalen Übergriff auf ein junges Paar in Guidonia, 30 Kilometer von Rom entfernt, reagiert. Das Paar, das sich im Auto auf einem Platz außerhalb der Hauptstadt aufhielt, wurde am Donnerstagabend von fünf Ausländern überfallen. Die Täter sperrten den Mann in den Kofferraum und vergingen sich danach an seiner 21-jährigen Partnerin. Eine 41-Jährige wurde am Mittwoch vermutlich von zwei Ausländern vergewaltigt, während sie abends von der Bushaltestelle nach Hause ging.

Frauenministerin Mara Carfagna zeigte sich über die Gewaltwelle empört und kündigte Maßnahmen an, um weiblichen Opfern konkrete Hilfe zu garantieren. "Das Problem betrifft nicht nur Italien. Gewalt ist die häufigste Todesursache für Frauen zwischen 15 und 60 Jahren", so die Ministerin. Sie plant auch eine Kampagne zur Vorbeugung gegen Gewalt in der Familie.

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