Steuern hinterzogen
Zwei Jahre auf Bewährung für Zumwinkel
Die Staatsanwaltschaft hatte unter anderem zugunsten Zumwinkels gewertet, dass er ein "voll umfängliches Geständnis" abgelegt habe, und auf seine Kooperationsbereitschaft verwiesen. Außerdem hat der ehemalige Spitzenmanager inzwischen 3,9 Millionen Euro an Steuern, Zinsen und Gebühren nachgezahlt. Damit dürfte Zumwinkel auch Steuern beglichen haben, deren Hinterziehung aufgrund von Verjährungsfristen in diesem Strafverfahren keine Rolle mehr spielen konnte.
Die Verteidigung hingegen hatte auf die Verdienste des ehemaligen Top-Managers als Wirtschaftsführer verwiesen und eine Strafe "deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft" verlangt.
Bekannteste Figur in Liechtenstein-Affäre
Zumwinkel ist die bekannteste Figur in der sogenannten Liechtenstein-Affäre. Die Steuerfahnder waren ihm auf die Spur gekommen, nachdem der deutsche Auslands-Geheimdienst BND gestohlene Kundendaten der Liechtensteiner LGT-Bank gekauft hatte. Sie bildeten die Grundlage für Hunderte von Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche deutsche Steuersünder. Im Juli 2008 wurde bereits ein deutscher Immobilienkaufmann zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe in Höhe von 7,5 Millionen Euro verurteilt.
Zumwinkel war bis Anfang vorigen Jahres einer der mächtigsten Manager in Deutschland. Dann wurde er am 14. Februar 2008 vor laufenden Kameras wegen der Liechtenstein-Steueraffäre zum Verhör abgeführt. Einen Tag danach trat er zurück.
"Größter Fehler meines Lebens"
"Das war der größte Fehler meines Lebens. Zu diesem Fehler stehe ich und übernehme die volle Verantwortung", sagte Zumwinkel vor der Urteilsverkündung. "Der mit der Anklage gegen mich erhobene Vorwurf trifft zu", sagte der einstige "Manager des Jahres". Er betonte: "Ich will hier reinen Tisch machen."
Die Folgen seiner Tat seien schmerzlich gewesen. Er habe seinen Beruf gern ausgeübt, "mein Beruf war schon mein Leben". Er wolle sich aber nicht beklagen: "Ich habe mir die Folgen selbst zuzuschreiben". Seine Familie und er selbst hätten im vergangenen Jahr "bitter gebüßt". Zumwinkel sagte: "Ich habe sämtliche Steuern nebst Zinsen gezahlt, unverzüglich und vollständig. Ich bin mit den Finanzbehörden im Reinen."
Seit 1990 Chef der deutschen Post
Zumwinkel ist der bisher prominenteste Angeklagte in einer Reihe von Verfahren, die die Staatsanwaltschaft Bochum angestoßen hat. Der frühere Chef des Versandhauses Quelle führte seit 1990 die damalige Deutsche Bundespost, die er im Jahr 2000 an die Börse brachte. Wegen der Vorwürfe musste der Manager sein Amt an der Spitze der Post aufgeben und verlor auch seine Aufsichtsratsmandate, unter anderem als Chef des Kontrollgremiums bei der Telekom.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.