'Diktaturen entfernt'

Blair verteidigt Kriege in Irak und Afghanistan

Ausland
22.12.2008 15:12
Der frühere britische Premierminister Tony Blair verteidigt die Kriege im Irak und in Afghanistan: "Wir haben zwei brutale Diktaturen entfernt", sagte Blair der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" (Montag-Ausgabe). "Und dann stacheln Muslime andere Muslime dazu an, Muslime umzubringen. Und jetzt sagen Sie mir, wer Muslime unterdrückt - ich oder die?", erklärte er den Angaben zufolge zu Vorwürfen, wonach der Irak-Krieg die Lage der Muslime verschlechtert habe.

Blair, der sich als Repräsentant des Nahost-Quartetts - bestehend aus UNO, EU, Russland und den USA - um eine friedliche Beilegung des Konflikts in der Region bemüht, betonte laut "Zeit" seinen Respekt vor dem Islam: "Ich lese regelmäßig den Koran, praktisch täglich." Der Opfermythos der islamischen Welt sei eine "völlige Perversion des wirklichen Islams", wurde er zitiert. Aber nun müssten auch "Leute innerhalb des Islams aufstehen" und dies deutlich ansprechen.

Religion kein Kriegsgrund
Religiöse Motive hätten bei dem Waffengang keine Rolle gespielt, betonte Blair, der als engster Verbündeter von US-Präsident George W. Bush während des Irakkriegs galt. In diesem Zusammenhang würden oft falsche Dinge über ihn und Bush geschrieben. "Dies ist eine Entscheidung, die nichts mit Religion zu tun hatte. Ich traf diese Entscheidung, weil ich wirklich dachte, wir müssen Saddam Hussein entfernen", wurde er zitiert.

Blair, der nach seinem Ausscheiden als Premierminister zum katholischen Glauben übergetreten ist, sagte, dass Politiker schnell missverstanden würden, wenn sie über Gott sprächen. So sei es etwa bei der Suche nach der richtigen Gesundheitsreform ein Irrtum, anzunehmen, "jetzt bete ich für ein paar Stunden, dann komme ich schon auf die Antwort". Als Politiker "versuchen Sie Entscheidungen so zu treffen, wie Ihre Vernunft Ihnen das diktiert. Der Glaube zwingt Sie also nicht zu einer Entscheidung, er bestärkt Sie, sie durchzusetzen, auch wenn sie zum Beispiel unpopulär ist."

Engagement für "Kraft des Guten"
Neben seiner Rolle als Nahostgesandter hat Blair im Frühjahr 2008 die Tony Blair Faith Foundation gegründet, die weltweit Projekte fördert, um die großen Glaubensrichtungen "zu einer Kraft des Guten" zu machen.

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